Schlagwort: Wut

080 // Karma-Bankrott

Mein lieber Scholli, so schlecht ging‘s mir lange nicht mehr. Es geht mir sogar so schlecht, dass ich das öffentliche Jammern um des Jammerns Willen genau jetzt anfange:

Die Fibro raubt mir die letzte Energie und mein rechter Flügel (= Schulter und Arm) tut nur noch weh und ist irgendwie lahm. Wie ein angeschossenes Perlhuhn taumele ich im Wohnzimmer im Kreis herum, um das Gefühl zu haben, wenigstens etwas gegen die totale Bewegungslosigkeit unternommen zu haben.
Es ist auch noch der rechte Arm. Der, der mich sonst notdürftig am Leben hält, weil Links wegen der Spinalkanalstenose in der HWS sowieso Dauer-Mätzchen macht.Vermutlich ist es was Strukturelles – meint auch der Doc. Nix Fibro oder Psyche. Daran wär’ ich ja gewöhnt. Aber das? Och, nööööö …
Jetzt warte ich erstmal auf‘s MRT.

Als wär’s noch nicht genug, spinnt am gleichen Arm der Ulnaris-Nerv ab Ellenbogen. Mit Hilfe einer Tischplatte hatte ich es irgendwie geschafft, ihn so zu quetschen, dass auch die Finger und der Unterarm seit Tagen nerven.

„Was kotzt mich dieser scheiß Arm an!“ (Frei nach TV-Original Detlef Steves).

Hinzu kommt eine akute „Trennungsdepression“ …
Mein Sohn ist auf Klassenfahrt. Seine erste.
Die Glucke in mir läuft Amok.
Das Perlhuhn freut sich, weil ohne Kind ist vor allem mit Flügellahmheit Vieles leichter.

Nicht nur wegen dieser Gedanken mache ich mir ernsthaft Sorgen um mein Karma. Bisher baute ich darauf, aufgrund meines Helfersyndroms und der Jahrzehnte andauernden, unendlichen Geduld mit den Arschlöchern dieser Welt, ein dickes Plus-Polster auf dem Karma-Konto zu haben.

Je länger es mir aber schlecht geht, desto fieser, gemeiner, ungerechter und schadenfroher werde ich. Zumindest gedanklich. Das ist besorgniserregend … auch wenn ich weiß, dass das bei chronischen Schmerzen normal ist.

Es gipfelte gestern in einigen wirklich bösen Gedanken, die ich hilflos aufblitzen lassen musste, als ich las, dass in einer der Nachbarstädte ein Arzt offenbar von einem Patienten angeschossen wurde, der sich im Anschluss an die Tat das Leben nahm. Gruselig und schrecklich sowas – die Tat an sich natürlich auch.

Das hat mich wohl den letzten Rest meines Karma-Guthabens gekostet.

Ja, ich bin böse. Ein ganz böser Mensch bin ich.
Das bekenne ich hiermit öffentlich und tue Buße. Zumindest irgendwann. Später, wenn ich wieder lieb und krank in meiner Ecke liege.

Jetzt geh‘ ich mit dem lahmen Arm in der Schlinge erstmal wieder im Kreis rum und bin weiter böse!
Seeeeehr böse!

Scheiß Arm, verdammter …

054 // “Stay here. I’ll be back!”

Ich bin wütend.

Diese profane Feststellung hat mich einiges an Kraft gekostet. Wie immer ist das Erleben – nein das Ausleben von Wut für mich ein physisch und psychisch sehr schmerzhaftes Unterfangen.

Der Auslöser war eine unangemessene Strafe einer Lehrerin für meinen Sohn.

Sie hatte ihn in der letzten Unterrichtseinheit vor den Ferien vom Schwimmunterricht ausgeschlossen, weil er sein Duschgel (!) ein einziges Mal nicht dabei hatte. (Es war mir aus der Tüte gefallen beim Taschepacken).

Ja, richtig gelesen. Das Duschgel …

Muss man mal kurz “einwirken” lassen die Szenerie … 😉

Eigentlich nur lachhaft das Ganze, aber das Kind war fix und fertig und mir ist die nicht mehr vorhandene Galle übergelaufen.

Das Kind konnte am Wochenende ganz gut abschalten, weil er ersatzweise mit seinem Papa im Freibad war. 🙂

Ich hatte weiter mit der Wut zu kämpfen.

Wie es sich für eine angepiekste Mutter gehört, hatte ich sofort in der Schule angerufen und erwischte die betreffende Lehrerin noch.

Ein guter Zeitpunkt, seine Emotionen nicht mehr allzu gut und gründlich zu unterdrücken, entschied ich und äußerte absolut sachlich, aber auch erkennbar wütend meinen Unmut über diese pädagogische Unverhältnismäßigkeit.

Das Gespräch wäre sehr schnell und sanft beendet gewesen, hätte die Dame nur einen Hauch von Bereitschaft zu kritischer Selbstreflexion erkennen lassen.
Aber: Fehlanzeige.
Im typischen “ich Macht – du nichts”, Ober-, Haupt- und “Von Gottes Gnaden”-Lehrer-Stil (auf den ICH allergisch reagiere) konstatierte sie, das sei alles ganz genau richtig so.

Wow …

Das Ende vom Lied: Ein 4-Seitiger Brief an die Schulleitung in der letzten Schulwoche. Checkereien, die niemand haben will. Ein Kind, dass jetzt Angst vor einer Lehrerin hat, eine Mutter, die vieles gebrauchen kann, aber nicht noch so ein Affentheater.
Auch die Rektorin wird sich freuen, sie hat ja bestimmt sonst nichts zu tun momentan … 😉

Aber, sich das gefallen lassen?
Keine Option.

Ich seh’s als Trainingseinheit.
“Chancen und Grenzen explizit demonstrierter Unmutsbekundungen unter dem Paradigma pädagogischer Einwirkungsoriginalität” … oder so …

… … …

… oder … SO:

“Stay here. I’ll be back!”
(Zitat: Arnold Schwarzenegger in Terminator 2)

T2 – I'll Be Back

Dieses Video ansehen auf YouTube.

 

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Gaaanz wichtig! Gewalt ist doof, meistens unnötig und bringt nix. Sein Innenleben durch Filmszenen auszudrücken, hingegen schon: Spaß! … 😉😂

 

 

 

 

 

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