In den letzten Wochen haben mich zwei junge Menschen tief beeindruckt:

Jan und Tim.

Beide sind Anfang 20, gutaussehende, lockere Typen mit Manieren und Charme. Jan hat darüber hinaus noch alle Hände voll zu tun mit „Gisela“.
So nennt er „sein“ Tourette-Syndrom.

Tourette (so die umgangssprachliche Ganz-Kurz-Form) ist eine Fehlfunktion des zentralen Nervensystems, die ihren Namen einem französischen Neurologen und Psychiater namens Georges Gilles de la Tourette verdankt.

Das Tourette-Syndrom wird zu den zentralnervösen Bewegungsstörungen (genauer: zu den sogenannten extrapyramidalen Hyperkinesien) gezählt, zu denen zum Beispiel auch das Restless-Legs-Syndrom und der Tremor (unkontrolliertes Zittern/Wackeln) bei einer Parkinson-Erkrankung gehören.

Zu den Hauptsymptomen von Tourette zählen unter anderem unwillkürliche Bewegungen und Laute, die der Betroffene nicht steuern kann.

Die meisten Menschen verbinden mit Tourette nur diejenigen Betroffenen, die irgendwelche obszönen Wörter schreien. Dies ist aber nur ein mögliches Symptom von Tourette. Der Fachausdruck hierfür ist: Koprolalie.

Wie bei vielen anderen zentralnervösen und neurologischen Störungen auch, äußert sich Tourette bei den einzelnen Betroffenen graduell und qualitativ sehr unterschiedlich.

Die sogenannten „Tics“ (= franz. „nervöses Zucken“) treten entweder dauerhaft permanent auf, oder mehrfach am Tag in regelrechten Salven. Bei einigen Betroffenen treten sie auch nur in Belastungssituationen und durch bestimmte Trigger auf. Mehr Fachmedizinisches zum Tourette-Syndrom findet ihr auf der entsprechenden Seite von “Neurologen und Psychiater im Netz”.

Jan und Gisela

Zurück zu Jan und Gisela:
Zu Jans Symptomkomplex gehört die Koprolalie leider auch. Gisela lässt es zwischenzeitlich richtig krachen (wie er selber sagt).

Sie hat einen, sagen wir “besonderen” Humor und mag gerne Pommes – wie ich ;-). Trotzdem könnte man meinen, an Gisela müsse jeder verzweifeln. So schreit „sie“ zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten ihren teils unflätigen, teils kreativen Senf dazu. Jan verzweifelt aber nicht, sondern zeigt der Welt, wie man mit Gisela klarkommt: Mit viel Humor und wenig Widerstand – hier und da zollt Jan ihr sogar Respekt, wenn sie mal wieder einen richtig Guten, Kreativen rausgehauen hat. So do I. Es sind mittlerweile zu viele, um sie hier alle zu rezitieren … Exemplarisch: “Rettet die Wale, esst mehr Japaner!”

In seinem Video „Tourette im Zoo“ bekommen wir einen kleinen Eindruck davon, wozu sie in der Lage ist. Chapeau, madame! 😉

Bei allem Humor muss natürlich klar sein, dass ich nicht über Jan lache – ganz im Gegenteil. Es ist dieses bittersüße Lachen, dass einem schon bevor es rauskommt, seine fiesen, kleinen Giftstacheln in den Hals rammt. Tourette kann nicht nur lustig sein, meint man. Das darf es einfach nicht, meint man.  Ja, warum eigentlich nicht? Bisher habe ich keine wirklich kluge Antwort gefunden, also: Lachen erlaubt. Vielleicht sogar besonders bewusst …

Offenbar hilft das Jan und anderen Betroffenen am meisten.

Erstmals hatte ich ihn in einer Galileo-Reportage zum Tourette-Syndrom gesehen, in der es um die Probleme im Job von Jan und Michelle geht, die ebenfalls an Tourette erkrankt ist. Kurz danach bin ich auf Youtube wieder über ihn und seinen Kumpel Tim „gestolpert“ und schaue begeistert und immer wieder tief beeindruckt zu, wie die beiden das machen.

Jan und Tim

Dieser Tim ist schon ein besonderer Mensch, denke ich. Wer möchte von seinem besten Freund schon dauernd beschimpft werden, oder in der Öffentlichkeit in Giselas Eskapaden integriert sein?

Tim ist da völlig gechillt und ignoriert Gisela oder lacht genauso viel wie Jan selbst.

Zusammen basteln die beiden an Jans Youtube-Kanal „Gewitter im Kopf“. Als ich als Abonnent dazustieß, hatte der Kanal gerade mal ein paar Hundert Abonnenten, schoss aber innerhalb kürzester Zeit in die Trends und liegt mittlerweile lässig im sechstelligen Abonnenten-Bereich. Und das vollkommen verdient!

Die beiden jungen Männer zeigen uns, wie man auch mit dem schlimmsten Krankheitsscheiß umgehen und trotz allem eine starke Persönlichkeit entwickeln, Freundschaft leben und viele Menschen informieren und inspirieren kann. Ich bin derart tief berührt und voller Bewunderung, dass ich gar nicht weiß, wohin mit meiner Begeisterung. Aber dafür gibt es ja diese Seite hier! 🙂

Krankheit ist nunmal ein guter Lehrer und wenn Jan, Gisela und Tim uns nicht diverse Lektionen lehren, dann weiß ich’s auch nicht … Wenn ihr drei das hier jemals lest: DANKE!

Angucken!

Also: Unbedingte Empfehlung von mir! Verbunden mit meiner persönlichen Ansage: „Stock aus‘m Arsch, Humorzentrum auf maximum expansion und los!“ Dabei nicht vergessen, den Hut mehrfach bis über’n Boden ziehen für so viel Courage und Lebensmut!

#pommesarmy #teampommes

[By the way: Für alle, die meinen, unsere Jugend taugt doch eh nichts, empfehle ich dringend, mal ganz aufmerksam die Kommentare unter den Videos zu lesen. Die „Jugendlichen“ sind nicht alle doof! Die sind mindestens genau so empathisch, motiviert und sozial wie „wir“ … oder wie wir meinen, dass wir es sind. Und: DIE sind unsere Zukunft!!! Das finde ICH beruhigend!]