Eigentlich putze ich ganz gerne. Jedenfalls nicht so ungerne wie meine Schwiegermutter wohl meint.

Auf meiner Prioritätenliste steht Putzen nur einfach nicht unter den TOP 5.
Das hat zur Folge, dass ich es von Haus aus weniger häufig, weniger gründlich und weniger schnell erledige als andere.

Nachdem unser Vermieter sich im letzten Jahr (zu Recht) über unsere mangelnde Flurreinigungsmoral beschwert hatte, habe ich andere innere Seiten aufgezogen und die Flurreinigung am Schlafittchen gepackt und auf Prio 3 (nach Kinderverpflegung und Eigenerhalt) geschoben. Jetzt läuft‘s.
Einmal die Woche wird der Gummibesen geschwungen und ein lavendelduftschwangerer Lappen grazil über die linolbezogene Holztreppe geschwungen, auf dass sie in neuem Glanze erstrahle.

Na ja … es sieht nach dem Putzen immernoch scheiße aus … aber es ist sauber! Für den Rest kann ich nichts, das ist Hauseigentümersache und aus ‘nem Pisspott kann man nunmal keine Blumenvase machen, wie der Volksmund sagt. Ich sollte also stolz auf meine Putzleistung und Pflichterfüllung sein. Bin ich aber selten. Meistens bin ich nachher einfach nur völlig am Ende und muss mich hinlegen.

Meine eigenen vier Wände würd‘ ich auch gerne öfter und gründlicher wienern, aber das ist schlicht unmöglich. Als Spoonie stehst du täglich vor dem Problem: Putzen oder essen, Putzen oder Fußnägel schneiden, Putzen oder das Kind trösten, usw. Meistens gewinnen das Essen, die Füße oder das Kind.

Und dann hörst du noch die Stimmen deines Therapeuten: „Nehmen Sie sich mal Zeit für sich selbst“, „Machen Sie, was Ihnen gut tut!“ und „Achten Sie darauf, sich nicht zu überfordern!“
Ja, ja.
Ich mach‘ das jetzt eben und dann nehm‘ ich mir mal Zeit nur für mich. Für was Schönes, etwas, das mich nicht überfordert.

Am Ende hab‘ ich dann immer ein blitzsauberes Badezimmer, liege nassgeschwitzt weinend auf dem Bett und kann mir drei Tage lang vor Schmerzen kaum die Zähne alleine putzen. Ich tu’s trotzdem.

Umweltsau wider Willen

Hinzu kommt ein immerwährendes schlechtes Gewissen wegen der Umwelt und so. Im Haushalt kann man da ja so viel Schlimmes anrichten, obwohl es auch anders ginge. Mit ein paar Handgriffen mehr (= 3 Spoons weniger) und biologisch unbedenklichen Mitteln.

Mir persönlich gefiele auch die Variante „garnicht mehr putzen und warten, bis wilde Tiere oder irgendwelche Einzeller kommen, die sich an meinem Unrat laben“ ganz gut, aber ich beuge mich dem Druck der Gesellschaft, der Vermieter, der Kinderschutz- und Gesundheitsbehörden und der Schwiegermutter. Ich putze. So gut es eben geht.

Aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen, verzichte ich ja mittlerweile weitgehend auf böse Chemiekeulen der bösen Reinigungsmittelindustrie.
Setze stattdessen fast ausschließlich auf Natron, Essigessenz, Naturseife und diverse natürliche Öle (z.B. Kokos- und Kamelienöl).
FAST – denn manchmal passiert sowas wie neulich:

BAAAHWUSCH!!!

Ich stehe im Schlafzimmer und höre ein Gurgeln aus dem gegenüberliegenden Bad. Es macht BAHWUSCH!!! und GURGELGURGEL!!! Der Klodeckel hebt sich kurz, der Wannenstöpsel fliegt hoch und dann spladdert es kurz aus Klo und Wanne, dass es eine Art hat.
Schöne Sauerei.
Ich steh‘ da und weiß erst garnicht, was ich machen soll.
Dann höre ich ein Brummen vor‘m Fenster und gucke hinaus: Ein gelber Rohrreinigungswagen steht vor der Tür. W T F???!!!???
Ich wähle die Telefonnummer des Vermieters, der unten wohnt.
Keiner geht ran.
Ich gucke aus dem Fenster – diesmal hinten raus. Im Garten wird emsig mit Geröhr hantiert.
Ich öffne das Fenster und beschreibe das Geschehen in meinem Bad.
„Kann nicht sein, das ist ja getrennt!“, sagt der Rohrreinigungstyp, den ich nur hören, aber nicht sehen kann, weil er um die Ecke steht.
„Doch“, sag ich. „Bei mir ist grad das Klo quasi explodiert und in der Wanne liegt der ganze Schmodder jetzt und es stinkt wie die Pest.“
„Oh, ja, och“, spricht es.
„Kann ich das jetzt wieder wegmachen und spülen, oder kommt da noch was?“, frage ich.
„Nö, kannste ruhig spülen, das macht hier nichts“, sagt der Vermieter.
Wie schön. Da bin ich ja beruhigt.
Dann mach‘ ich das Stinkechaos mal wieder sauber.
Hab‘ ja sonst nichts zu tun und mir geht‘s heute sowieso blendend … (natürlich) nicht.

So sitze ich fast eine Stunde in dem Scheiß Badezimmer (buchstäblich) und putze.
Diesmal nehme ich auch Desinfektionsspray und Chemie – viel Chemie. Obwohl ich mich sonst wirklich nicht anstelle, aber in hochgewirbelter Scheiße mag auch ich nicht rumlaufen oder baden.

Sicher kann man auch natürlich gegen derlei Verschmutzung angehen, aber das Argument „Geht ganz leicht, sind nur 3 Arbeitsschritte mehr“ oder „dauert nur 5 Minuten länger“ machen bei mir den Unterschied zwischen „schaff‘ ich manchmal soeben“ und „schaff‘ ich null“.

Beispiel: Putzlappen. Die kann ich nicht schmerzfrei auswaschen und auswringen. Um überhaupt so etwas wie „halbwegs saubere Oberflächen (Tische, Arbeitsplatte usw.) zu haben, nutze ich meistens Einmal-Feuchttücher. Böse.

Und wenn mir die Miege aus dem Klo durchs Bad sprenkelt, nehm ich hochkonzentriertes Anti-Alles-Spray und sehr viele Zellstofftücher, die ich (nachdem ich sie mit den Füßen über den Fußboden gerieben habe) nachher wegschmeiße. Ich Umweltsau.

Vom Vermieter gab‘s kurze Zeit später noch ‘nen tollen Tipp: „Schütt‘ ab und zu mal 2 Liter Cola in die Abflüsse.“
Klar, kein Thema. Dazu müsste ich nur eben in den Supermarkt fahren, jemanden finden, der mir die Flaschen aufmacht und mein schlechtes Gewissen beruhigen, wenn ich Lebensmittel für 2,18 Euro ins Klo kippe.

Wenn das mal alles so einfach wär‘ …

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Kleiner Musiktipp (kann man prima beim Putzen hören):
https://youtu.be/dD_TJH31xyc