Mein Erlebnis mit der Neurologin bringt mich dazu, mich noch intensiver mit dem Thema Krankheitsgewinn zu beschäftigen.

Was soll das sein, ein Krankheitsgewinn?

Wikipedia sagt:

Krankheitsgewinn ist eine allgemeine Bezeichnung für die objektiven und/oder subjektiven Vorteile, die ein (tatsächlich oder vermeintlich) Kranker aus seiner Krankheit bzw. die ein Patient aus seiner Diagnose zieht.

Unterschieden wird in primären Krankheitsgewinn (innerer Krankheitsgewinn), sekundärer Krankheitsgewinn (äußerer Krankheitsgewinn), tertiärer (Gewinn, den andere aus meiner Krankheit ziehen) und quartärer (so eine Art ideeller) Krankheitsgewinn.

primärer Krankheitsgewinn

Primären Krankheitsgewinn nennt man innere oder direkte Vorteile, die der kranke Mensch aus seinen Symptomen zieht: als unangenehm empfundene Situationen oder Konflikte können so umgangen werden. Das Symptom wird dann zwar als unangenehm erlebt, jedoch erlaubt es dem Kranken, keine sofortige (aus dem Konflikt herausführende) Entscheidung treffen zu müssen (oft erkennt er einen Konflikt, den er hat oder in dem er steht, gar nicht als solchen). […] Auch kann das Symptom unbewusst dazu dienen, unangenehmeren Konflikten aus dem Weg zu gehen.
[Quelle Wikipedia]

Wie schwer die Auseinandersetzung mit diesen Dingen für mich und meinen Ergründungszwang ist, zeigt sich, wenn ich die Fragen, die schon beim Lesen der Definition in meinem Kopf um Beantwortung eifern, aufschreibe:

Was ist ein Vorteil? Was ist ein kranker Mensch? Was ist krank? Bin ICH ein kranker Mensch? Was empfinde ich als unangenehm? Was sind Symptome? Gibt es einen Unterschied zu natürlichen Reaktionen? Was sind Konflikte? Was ist bewusst? Was unbewusst?

Ich kann so schnell keine Antworten finden, entwickele aber eine Ahnung davon, dass die Migräne durchaus „Gewinn“ im o.g. Sinne sein kann. Fury ist nicht Böse. Er ist eben und manchmal verursacht er Leid.

Offenbar ist es mir nicht immer möglich, Überlastungen sofort als solche wahrzunehmen und darauf bewusst „richtig“ , im Sinne von „gesund“, also mit Reduzierung zu reagieren. Je nach Triggerfaktor schützt mich die Migräne in gewisser Weise vor Schlimmerem. Aber das scheint mir gar keine Fehlfunktion, also krank zu sein, sondern eher ein Regulativ … also gesund? Auch die dissoziativen Zustände, die ich in bestimmten Situationen erlebe, dienen dem Schutz meiner Seele (oder des Körpers?). Überhaupt stelle ich fest, dass viele meiner Symptome eher Schutzfunktion haben. Angst, Panik, Schmerzen sind nur Schutzmechanismen, die den Körper (oder die Seele? oder beide?) warnen oder ihm (ihnen?) in brenzligen Situationen beim Überleben helfen sollen.

Bin ich also gar nicht krank? Reagiere ich einfach auf innere und äußere Umstände? Ist die Reaktion nur nicht angemessen? Was ist angemessen? In Bezug auf was? Ist das, was Ärzte als Krankheit definieren, wirklich Krankheit? Was ist Krankheit überhaupt? Ist Krankheit gleich „nicht mehr funktionieren“? In Bezug worauf funktionieren? Was für Funktionen habe ich? Ist Schmerz immer krank? Ist Leid krank? Ist alles, was Schmerz verursacht, Leid? Was ist Schmerz? Was ist Leid?

So viele Fragen …

Wie ein Bär, der ins Wasser schlägt, um sich einen fetten Lachs zu packen, fische ich eine Frage heraus und versuche eine Antwort zu geben: Schmerz ist primär Alarmanlage. Erstmal nichts Schlechtes – einfach ein Reiz. Leid ist etwas, das nur durch das subjektive Empfinden eines Individuums entsteht. Oder wie Epiktet sagte: „Nicht die Dinge an sich sind schlecht, sondern nur unsere Meinung über sie.“

Und dann kommen schon wieder neue Fragen:

Ist es vielleicht sogar gut (also gesund) für mich, dass der verdrängte Schmerz der letzten Jahrzehnte jetzt gebündelt und ohne konkreten Anlass oder bei den kleinsten Anlässen hervorkommt? DAS wäre ja dann ein Gewinn! Ist das dadurch verursachte Leid also auch gesund? Oder gut? Für wen ist das gut? Ein Gewinn? Für mich? Was ist gut für mich? Woher weiß ich, was gut für mich ist? Wer ist überhaupt „mich“? – – – STOP!

Selbstkunde oder Ichologie

So oder so ähnlich laufen alle Überlegungen, die ich anstelle immer wieder auf diesen einen Punkt zu. Es läuft alles auf MICH hinaus – und da liegt das Problem: Ich bin noch nicht so gut in Selbstkunde oder Ichologie. Maximal Kindergartenniveau.

Von interessanten Kleinigkeiten und Nebenschauplätzen lasse ich mich gerne ablenken. Verfolge die kleinen Fragen so wie ich damals als Kind im Wald sitzend immer wieder einzelne Ameisen verfolgte, die nach kurvenreichem Weg, plötzlich von vielen anderen Ameisen eskortiert, erst im Gewimmel und dann in einem Erdloch verschwinden, um an anderer Stelle plötzlich mit tausend anderen emsig umherlaufenden Artgenossen wieder aufzutauchen – unerkannt, aber immer noch da und die Selben.

Ich bin sehr froh, dass es Menschen gibt, die meine unfertigen inneren Abläufe, Gedankengänge und (Teil-)Erkenntnisse in Worte fassen können.

Allen voran der von mir hochverehrte,  geniale Robert Gwisdek alias Käptn Peng mit seiner Kapelle Die Tentakel von Delphi.

WERBISTICH? – Da ist alles gesagt …

shaban & Käptn Peng – werbistich

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