Jeder Anfall ist anders. Intensität und Lokalisation der einzelnen Symptome und deren Dauer variieren. Dennoch gibt es ein grobes Muster, wie sich die Anfälle bei mir meistens aufbauen. Meistens kommen die schlimmen Einbrüche in der Entspannungsphase NACH einer emotionalen Anstrengung (das finde ich besonders gemein an den Anfällen):

VOR den eigentlichen Anfällen:

Manchmal bin ich schon einen Tag vor dem Anfall wie angeknipst. Habe plötzlich Energien, die ich sonst nicht habe oder fühle mich wie ein „Duracell-Äffchen“, dem man Bleikugeln um die Füße gemacht hat.

Kurz vor den Anfällen spüre ich eine Schwere in den Oberarmen oder Kribbeln in Armen, Beinen und Füßen. Insgesamt habe ich ein komisches, manchmal unwirkliches Gefühl, dass ich nicht konkret beschreiben kann.

WÄHREND eines Anfalls läuft es häufig so ab:

  • Das Sehen verändert sich. Ich habe das Gefühl, als sähe ich die Umwelt und was gerade passiert wie in einer anderen Kameraeinstellung. Ähnlich dem Tilt-Shift-Effekt bei Fotografien. Meistens fangen die Sprachstörungen schon da an, d.h. ich will was sagen, kommt aber nicht das raus, was ich sagen will, sondern nur einzelne Wörter. Oder ich bleibe mitten im Wort hängen.
  • Frieren/ Schüttelfrost/ kalte Gliedmaßen und Gähnen. Manchmal auch Herzstolpern, Herzrasen etc.
  • Ohrgeräusche beidseitig (lautes, schrilles Klingeln wie Alarmglocken)
    Meine Beine fangen heftig an zu zucken, zittern oder gehorchen nicht mehr richtig. Auch eine ganz kurze Ohnmacht, als ob einer kurz das Licht ausknipst, ist nicht selten.
  • Dann kommt ein so heftiger Schwindel und Übelkeit, dass man meint, man säße in einem dieser Break Dance-Karussels. Dabei löst sich manchmal das Raumgefühl völlig auf und ich weiß – nein ich fühle nicht mehr, wo oben, unten, rechts oder links ist. Manchmal löse ich mich selbst bzw. mein Körperschema mit auf. Dann empfinde ich es z.B. so, als hätte ich die Arme und Beine direkt an den Schläfen oder die Füße an den Rippen. Sehr verstörend diese Sache.
  • Der Sehsinn fällt komplett weg. D.h. ich sehe nicht Schwarz oder verschwommen, sondern es ist, als wenn ich nie einen Sehsinn gehabt hätte oder die Verbindung von Auge und Gehirn plötzlich abgebrochen wäre. Auf jeden Fall ist es egal, ob ich die Augen auf oder zu habe. Wenn Menschen bei mir sind, weiß ich, dass sie da sind, ich könnte sie auch angucken, aber ich „sehe“ sie dann nicht mit den Augen. Da auch noch Lichtblitze oder visuelle Effekte aufkommen, mache ich die Augen immer zu und schotte jedes bisschen Licht, das noch da ist ab. Denn, obwohl ich nicht im herkömmlichen Sinne „sehe“ nehme ich jedes bischen Licht wahr (ist sehr schwer zu beschreiben). – An dieser Stelle kommt auch gerne noch eine Panikattacke obendrauf, wenn mein Bewusstsein so getrübt ist und die Wahrnehmung so bizarr wird, dass ich Angst habe, dass das nie wieder aufhört. D.h. wenn ich mir nicht mal mehr vorstellen kann, wie es ist, wenn es wieder normal ist und die Verbindung zu meinen Helfern (wenn denn welche da sind) aufgrund der gestörten Kommunikationskanäle abreißt.
  • Häufig kommen dann noch extremer Harndrang (3-4 Mal in 5 Minuten) und/ oder Durchfall dazu.
  • Ungefähr ein Drittel dieser Anfälle mündet in einen extrem starken Druck im Hinterkopf. Das tut manchmal so weh, dass mir nochmal extra schlecht wird. Das toppt dann alles, was an sonstigen Symptomen da ist, aber es ist für mich immer das Zeichen dafür, dass der Spuk gleich vorbei ist. Deshalb bin ich meistens paradoxerweise erleichtert, wenn der Druck kommt.

Das Ganze dauert zwischen 30 und 60 Minuten, zieht sich aber auch schon mal bis zu 3 Stunden. Das steht so nicht in den Lehrbüchern, aber „Fury“ (=mein Migräne-Hirn) hat die wohl nicht gelesen. 😉

NACH einem Anfall habe ich meistens kleine Filmrisse, bzw. Probleme mit der Chronologie des gerade Erlebten. Konzentration und klares Denken: schwierig.

Mein Körper fühlt sich an wie nach einer sehr großen Anstrengung. Ich bin vollkommen erschöpft, müde und schlapp. Die Muskeln in den Oberschenkeln tun weh und die Beine sind noch 1-2 Tage wie Pudding. Je nach dem wie heftig der Anfall war, ist mir noch mehrere Tage schwindlig und leicht benommen.