Ich versuche, mich an meine eigenen Tipps zu halten.
Sprich: annehmen – aushalten – abhaken.

annehmen:
Es ist wie es ist. Je mehr ich verkrampft versuche, einen Anfall zu unterdrücken, desto schlimmer und länger wird er. Ich nehme (wenn es noch geht) ein extra-Tütchen Magnesium-Direkt-Pulver und Vomex und lege mich sofort hin.

aushalten:
Manchmal brauche ich Hilfe auf dem Weg ins Bett oder auf die Couch, weil meine Beine nicht mehr vernünftig gehorchen und ich verwirrt bin. Ich decke im Liegen meinen Kopf ab (wenn es geht mit etwas schwerem) und konzentriere mich nur noch auf‘s Atmen. Dabei sage ich mir: Gleich isses wieder vorbei. Gleich geht‘s wieder.

Im Idealfall ist mein Mann da, der mich bzw. meinen Kopf fest umschlossen hält. Begrenzung zu fühlen, ist in solchen Momenten sehr angenehm. In der Schmerzklinik in Kiel hat man eine Bettdecke zusammengerollt und so an mich dran gelegt, dass ich das Gefühl der Begrenzung hatte – das tat auch sehr gut. Im Notfall kann auch eine Kapuze und ein Kissen schon hilfreich sein.

Wichtig: Ich erlaube mir auch, Angst zu haben in solchen Momenten. Es ist nun mal beängstigend, da hilft weder positives noch vernünftiges Denken. Keine Affirmation oder sonst ein Trick kann das, was da mit einem passiert „schön“ machen.

In meinem Blog beschreibe ich, dass ich mir mein Migräne-Gehirn vorstelle wie ein scheues hypersensibles Vollblut-Pferd (mein „Fury“). So habe ich die Möglichkeit, mich mit diesem Geschehen besser zu arrangieren. Wenn ich noch einigermaßen klar denken kann (was nicht immer der Fall ist), stelle ich mir das auch im Akutfall vor und versuche beruhigend auf „Fury“ einzureden, oder stelle mir einfach vor, wie ich ihn mit Stroh abreibe oder ihm eine Decke umlege. Das beruhigt mich und ihn.

Im Grunde ist das einfach eine hilfreiche Abspaltungsimagination, die mich ein bisschen durch die Akutphase eines Anfalls trägt.

Immerhin.

abhaken:
Wenn ich merke, es wird besser, versuche ich, mich nicht darüber zu ärgern, dass es schon wieder so weit war. Ich rede versöhnlich mit „Fury“ („Siehst du, wird alles wieder gut.“) Durch diese Imagination kann ich auch Verständnis für mich selber in der Erschöpfungsphase aufbringen.

Von „Fury“ (dem armen Geschöpf) erwarte ich da keine Leistung. Auch das ist eine hilfreiche innere Abspaltung.