Meine Erfahrung mit Citalopram

Das Antidepressivum Citalopram wurde mir von einer Neurologin und Expertin für Migräneerkrankungen gegen meine Angstzustände, Panikattacken und als Migräneprophylaxe verschrieben.
Nach Einnahme einer einzigen der verordneten 20mg-Tabletten erlebte ich einen mehrmonatigen Höllentrip, den ich bis heute (Jahre später) immer noch nicht ganz „verpackt“ habe. Ich hatte Halluzinationen, absolute Schlaflosigkeit, schlimmsten Durchfall, Dauer-Panik deluxe inklusive Hyperventilation bis hin zur Tetanie, einen dicken Basilarismigräneanfall mit vorübergehendem Sehverlust, vollem Lähmungsprogramm und mehrmaligem locked-in-Syndrom (komplette Lähmung bei vollem Bewusstsein). Danach litt ich über Monate unter unangenehmem Körperbrennen, schreckte nachts von Albträumen geschüttelt hoch und bin nur knapp einer Selbsteinweisung entronnen.
Hier mein detaillierter Blog-Bericht.

Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass es offenbar bestimmte „Gehirntypen“ gibt, die nachgewiesenermaßen auf Citalopram eher mit Nebenwirkungen reagieren – Autisten zum Beispiel. Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 149 autistischen Kindern von King et al. (2009) hatte bei relativer Wirkungslosigkeit ein erhöhtes Vorkommen von unerwünschten Nebenwirkungen ergeben (u.a. erhöhtes Energieniveau, Impulsivität, verminderte Konzentration, Hyperaktivität, Stereotypie, Durchfall, Schlaflosigkeit und trockene Haut oder Pruritus) [Quelle: https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/210271.]

Da ich definitiv autistische Züge habe (ob es für eine ordentliche Diagnose reicht, weiß ich nicht), sind meine Erfahrungen vielleicht darauf zurückzuführen, dass mein Gehirn ähnlich tickt. Auch eine Mitpatientin bei einem Aufenthalt in der neurologischen Abteilung mit ähnlicher Persönlichkeitsstruktur und Epilepsie hatte mit Citalopram extrem negative Erfahrungen gemacht.

Fazit: Für mich nie wieder!!!

Allerdings zeigt sich hier, wie unterschiedlich Menschen auf gleiche Substanzen reagieren. Ich kenne auch einige, denen das Medikament gut hilft (mit wenig Nebenwirkungen). Allerdings sind das vollkommen andere, eher „robuste, grobgestricktere“ Persönlichkeiten, die auch bei anderen Medikamenten wenig Probleme mit unerwünschten Nebenwirkungen haben.

Ebenfalls interessant: Eine andere Neurologin schlug die Hände über’m Kopf zusammen, als sie von dieser Medikation für mich hörte. Für Patienten wie mich hätte sie das niemals verordnet sagte sie, schon gar nicht ohne extrem vorsichtiges Einschleichen … Tja, hab’ ich wohl mal wieder einfach Pech gehabt mit meinen Experten … 😉

Wichtig: Dies sind meine persönlichen Erfahrungen. Ich gebe hiermit keine Empfehlung oder sonst einen medizinischen Rat.