Kategorie: Wissenswertes

095 // Corona: Wen wir wirklich am meisten schützen müssen

Natürlich geht es auch in meinem Blog heute mal um Corona. Allerdings nur mittelbar. Bevor ich meine kostbare Energie aber für die Anprangerung der Scheinheiligkeit und Heuchelei von unseren ach so engagierten Politikern raushaue (da ist sowieso Hopfen und Malz verloren), möchte ich auf einen Aspekt eingehen, der mir in den Medien zurzeit etwas zu kurz kommt:

Schützt die Alten?

Die Alten müsse und wolle man schützen – tönt es an jeder Ecke. Deshalb sollen die dann demnächst alle in ihren Heimen hocken bleiben, während die Leistungsträger und Jungspunde möglichst bald wieder ins Nagelstudio ihrer Wahl gehen dürfen sollen – die Wirtschaft darf ja nicht so leiden. Der Rubel muss bald wieder rollen, sonst war’s das mit dem Wohlstand für alle. Mimimi.

Da zeigt sich dann, wie weit weg die von der Realität der über 70-Jährigen unserer Zeit sind. Die sitzen nämlich nicht überwiegend in Heimen rum. Und wenn, dann werden die Menschen da nicht einfach nur gelagert und nach Bedarf rein- oder rausgetrieben wie das liebe Vieh. Diese Menschen wohnen da. WOHNEN. So wie wir Jüngeren auch in unseren Wohnungen und Häusern. In einem Heim zu wohnen, bedeutet nicht, seine Eigenschaft als Bürger dieses Landes eingebüßt zu haben. Wie für jeden anderen Bürger auch, bleiben die Rechte für die Bewohner eines Heimes selbstverständlich und völlig zu Recht die gleichen, als wenn sie im eigenen Bungalow wohnen würden. Diese Menschen kann man doch nicht einfach alle aufgrund ihres Alters und der Wohnart wegsperren, während Jüngere oder nur die mit Eigenheim sich draußen die Sonne auf den Wanst scheinen lassen und sich des Lebens freuen können.

Es sind auch nicht per se die Alten, die wir am meisten schützen müssen. Die allermeisten von ihnen sind alt und somit auch lebenserfahren genug, um sich selbst zu schützen, oder selbst zu entscheiden, wie viel Schutz sie möchten. Nur weil ein Mensch alt ist, bedeutet es nicht, dass wir Jüngeren darüber entscheiden dürfen, wie sie leben sollen – und seien die Motive auch noch so nobel. Alte werden nicht automatisch mit dem Alter zu Idioten – die meisten jedenfalls nicht. Sicher gibt es welche, die die Lage nicht ganz begreifen und sich und andere damit eventuell gefährden. Was für sie getan werden kann, muss man im Einzelfall sehen.

Schützt die Kinder!

Ich finde es viel wichtiger, sich um die zu kümmern, die ihrer Umwelt, ihren Familien und der Gesellschaft wirklich schutzlos ausgeliefert sind: die Kinder. Dabei geht es mir nicht in erster Linie um den Schutz vor dem Virus. Viel, viel, viel gefährlicher ist die Tatsache, dass wir Kinder aus Problemfamilien (und solchen, die es unter diesen Umständen werden könnten) jetzt noch viel weniger schützen können.

Das Leid der Kinder, die gewalttätigen Übergriffen durch Familienmitgliedern ausgeliefert sind, wird noch viel unsichtbarer – und das ist brandgefährlich! Das „Aufeinanderhocken“ und „Nicht-weg-Können“, wirkt in vielen Familien jetzt wie ein Brutschrank der Gewalt.

Deshalb mein Appell: Schaut und hört nicht weg!
Im Gegenteil: Schaut besonders gründlich und hört genau hin.

Kinder brauchen Helfer

Jeder, der als Kind die Erfahrung von gewalttätigen Übergriffen gemacht hat, weiß, wie wichtig es ist, Hilfe von außen zu bekommen. Wie wichtig aufmerksame Menschen sind, die sich für einen einsetzen, Menschen, die die Täter in gewissem Maße unter sozialer Kontrolle halten. Menschen die sich einmischen, und die gegebenenfalls den Mut haben, weitere Schritte einzuleiten.

Das alles ist in Corona-Zeiten noch schwieriger als im normalen Alltag. Es gibt keinen Kontakt zu Lehrern oder Erziehern, die die Situation der Problemfamilien kennen und ohnehin wachsam sind. Es gibt keinen Austausch mit anderen. Eltern sind mit der Situation noch mehr überfordert als sonst und aus Überforderung entsteht oftmals Aggression und Gewalt. Hinzu kommt: Nicht jeder hat am Klingelschild „Problemfamilie“ stehen. Kinder werden auch in Bilderbuchfamilien geschlagen und physisch und psychisch missbraucht. Von Menschen, die nach außen hin freundlich und normal wirken. Sobald die Wohnungstür zu ist, geht es dann los.

Klar, es ist ganz normal, dass sich der Umgangston in der Familie mal verschärft. Gerade, wenn wir keine Freiräume mehr haben. Natürlich ist auch nicht jede (auch lautstarke) Auseinandersetzung innerhalb einer Familie gleich der Startschuss für eine handfeste Prügelei. Oft schaukeln sich die Dinge aber auch hoch. Zuerst wird „nur“ die Frau „mal im Affekt“ geschubst, aber beim nächsten Mal vielleicht der 10-Jährige, der die Mama beschützen will, oder den emotional von Haus aus instabilen Papa mit seinen Bedürfnissen „provoziert“. Schon mit Schubser Nr. 1 ist eine wichtige Grenze überschritten. Allein die Schäden am kindlichen Stressverarbeitungssystem, die solche Übergriffe auslösen können (und seien sie nur beobachtet) sind immens.

Nicht Deine Baustelle … ?

„Betrifft mich nicht?“, denkt manch einer. Das ist nicht ganz richtig. Auch wer nicht direkt betroffen ist, wird früher oder später für die misshandelten Kinder von heute zumindest mittelbar einstehen müssen. Nämlich dann, wenn sie als kranke Erwachsene von morgen unsere Gesellschaft schwächen – wenn sie es denn bis ins Erwachsenenalter schaffen. Wir alle tragen die Verantwortung für die nachfolgenden Generationen, auch für Nachkommen, die wir nicht selbst gezeugt oder geboren haben.

Deshalb nochmals: Bitte schaut nicht weg. Wendet euch gegebenenfalls an die Jugendämter oder den Kinderschutzbund, wenn ihr nicht wisst, was ihr tun sollt oder könnt. Manchmal kann schon ein Zettel mit wichtigen Telefonnummern (siehe unten) im Briefkasten der Familien oder am schwarzen Brett der Wohnanlage etwas bewirken.

Auch der sozialpsychiatrische Dienst der Städte und Kommunen hilft weiter. Im Zweifel ruft direkt die Polizei. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig, denn nichts ist schlimmer als die Stille, die einzieht, wenn die Kinderseele zum Schweigen gebracht wurde!

 

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Wichtige Telefonnummern und Internetadressen:

  • Kinderschutzbund: www.dksb.de
    (Weitere Infos und konkrete Hilfsangebote)
  • “Nummer gegen Kummer”
    für Kinder und Jugendliche –> Telefonnummer 11 6 111 oder 0800 111 0 333

    Ein Angebot, in dem sich Kinder und Jugendliche anonym zu ihrer Situation beraten lassen können – bundesweit, kostenfrei und anonym über Telefon, E-Mail und online über eine Chatfunktion www.NummerGegenKummer.de
    Montag – Samstag: 14 Uhr – 20 Uhr
  • Elterntelefon: 0800 111 0 550
    Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer berät und hilft Eltern
    Montag – Freitag: 9 Uhr – 11 Uhr
    Dienstag – Donnerstag: 17 Uhr – 19 Uhr
  • Verband der Alleinerziehenden: Krisennummer 0201 82774799
  • Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: Telefon: 0800-22 55 53
  • Online-Suche zuständiges Jugendamt:  https://familienportal.de/action/familienportal/125008/action/suche
  • Online-Beratungsstellensuche: https://www.bke.de/05E-740-CC1-1F1/
  • Kinderschutzbund vor Ort: https://www.dksb.de/de/dksb-vor-ort/

 

Migräne: Dinge, die VOR und NACH einer Narkose helfen können

Nachdem ich bereits über das Schlaganfall-Risiko von Migräne-Patienten nach Operationen berichtet habe, und darüber, was Ärzte in diesem Zusammenhang beachten sollten, habe ich mich nun gefragt, ob und was wir Betroffene selber tun können, um das Risiko weiter zu minimieren.

Eine gute Nachricht vorweg: Es gibt etwas, was wir tun können.
Die Schlechte: 100%ige Sicherheit gibt‘s trotzdem nicht.

Die Marschrichtung könnte aber lauten: Ich versuche, die Ärzte dabei zu unterstützen, mich heile durch die Narkose zu bringen. Oder auch: Je besser das OP-Material (mein Körper) in Form und vorbereitet ist, desto besser stehen die Chancen, dass ich komplikationslos und ohne fiese Nebenwirkungen davon komme.

Besonders VOR und NACH der eigentlichen OP können und sollten wir Migräne-Patienten ein paar Dinge beachten.

WICHTIG!!!
Das heißt im Umkehrschluss natürlich nicht, dass wir Schuld sind, wenn etwas nicht so optimal läuft, es bedeutet nur, dass alle Beteiligten etwas zum Gelingen beitragen können!

VOR der OP/Narkose:

Worauf sollte ich als Migräne-Patient VOR einer OP in Vollnarkose achten?

  • Frühzeitig Kontakt mit dem Narkosearzt aufnehmen und auf die Migräne (besonders bei komplizierten Formen und Migräne mit Aura) hinweisen. Vernünftige Ärzte sind dankbar für Infos über seltene Migräne-Formen, denn ein Anästhesist kann nicht alle Krankheiten kennen! Bewährt hat sich bei mir ein einfaches Blatt Papier als Ergänzung zum Narkose-Aufklärungsbogen, auf dem ich kurz (!) über die Basilarismigräne und die aktuellen Erkenntnisse zum Schlaganfallrisiko bei Migräne mit Aura nach OPs nebst Quellenangabe informiere. Bei Basilarismigräne könnt Ihr gerne auch das von mir erstellte Info-Blatt (Basilarismigraene_Info.PDF) mitnehmen und an den Arzt weitergeben.
  • Alle Medikamente – auch pflanzliche! – (z.B. Johanniskraut) und Nahrungsergänzungsmittel (z.B. Magnesium) im Informationsbogen und im Gespräch mit dem Arzt angeben. By the way: Homöopathische Globuli sind KEIN Medikament, enthalten keine Wirkstoffe und haben somit auch keine Auswirkungen auf die Narkosemittel. Das bedeutet: Wer möchte, kann sich reichlich davon im erlaubten Zeitrahmen vor der OP reinkippen – physisch passiert da nichts, außer, dass der Blutzuckerspiegel steigt. Für andere (psychische) Effekte ist der Anästhesist der falsche Ansprechpartner – das muss den fachlich auch nicht weiter interessieren. 😉
  • Natürlich immer, aber besonders auch in den Tagen vor der OP, auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Damit wird das Risiko von Thrombenbildung („klumpiges Blut“) minimiert.
  • Ggf. schon über Tage vorher versuchen, den Blutzuckerspiegel nicht nach unten und oben „auszureizen“, sondern auf einem vernünftigen, eher niedrigen Level zu halten, dann haut die Nahrungskarenz, also die Zeit, in der wir vorher nichts essen dürfen, nicht so ins Kontor.
  • Besonders auf Migräne-Trigger achten und konsequent vermeiden. Bei histaminempfindlichen Migräne-Menschen kann es sehr sinnvoll sein, schon in den Tagen vor der OP sehr histaminreduziert zu essen. Der Stress einer OP lässt den Histaminpegel im Körper sowieso schon ziemlich ansteigen.
  • Generell ist es sinnvoll, dem Körper nicht kurz vor einer OP noch wer weiß was abzuverlangen. Wenn Montag oder Dienstag eine OP stattfinden soll, muss ich am Wochenende nicht noch meine Grenzen testen, was Rauchen, Schlafmangel und Alkohol angeht. Das stresst das Migränehirn sowieso übermäßig und den Rest vom Körper zusätzlich. Vermutlich ist auch ein Marathonlauf einen Tag vor der OP nicht so optimal, aber das ist nur eine Vermutung und die allerwenigsten von uns kommen in diese Verlegenheit … 😉 – Generell ist viel Bewegung grade im Vorfeld einer OP natürlich gut! Allein schon, um einen stabilen Kreislauf im Gepäck zu haben.
  • Bei mir persönlich hat sich über die Jahre und mehrere OPs herauskristallisiert, dass ich besser fahre, wenn ich ca. 2 Std. vor der OP noch 2 -3 Stück Würfelzucker in ganz wenig klarem Wasser gelöst zu mir nehmen kann. Das darf aber niemals eigenmächtig gemacht werden und muss vorher unbedingt mit dem Narkosearzt abgesprochen sein!
  • Auch die Gabe von etwas Prednisolon (auch zusätzlich zu einer evtl. Dauermedikation) hat bei mir schon gute Dienste in Bezug auf narkosebedingte Histaminreaktionen (und Übelkeit) geleistet. Auch hier gilt: Unbedingt mit dem Narkosearzt absprechen und nicht einfach irgendwas nehmen!

NACH der OP/Narkose:

Was kann ich selbst NACH der OP in Vollnarkose machen, damit das Migräne-Risiko und auch das Risiko für migränebedingte Komplikationen minimiert wird?

  • In den Tagen nach der OP sollten alle Patienten, aber ganz besonders Migräne-Patienten auf eine ausreichende Trinkmenge achten. (Ausreichend = mindestens 2 Flaschen Krankenhaus-Wasser – das sind 1,5 Liter).
  • Um das Thrombose- (und damit Embolie-)Risiko zu senken: Die „chicen“ Krankenhaus-Kompressionsstrümpfe konsequent tragen, solange die Mobilität eingeschränkt ist.
  • Ggf. ein paar Venenübungen (geht auch im Liegen) machen. Die Asklepios-Kliniken haben dazu ein schönes Video gemacht: https://www.youtube.com/watch?v=SoXDpB5b0nc
  • Verordnete Medikamente gewissenhaft einnehmen.
  • Nach einer OP besonders auf vitaminreiche, ausgewogene Ernährung achten, das hilft dem Körper dabei, die Narkose schneller wegzustecken.
  • Bei Beschwerden (vor allem Schwindel, Wahrnehmungsstörungen, Kopfschmerzen, Lähmungen) immer sofort mit dem Pflegepersonal oder Ärzten darüber sprechen. Lieber einmal zu viel „nerven“ als zu wenig. Bei Schlaganfällen zählt im Grunde jede Minute, um dauerhafte Schäden oder Schlimmeres zu verhindern. Erfahrungsgemäß freuen sich alle mit uns, wenn es „nur“ die Migräne war und niemand motzt über „falschen Alarm“.

Bitte beachten: Ich bin (immernoch ;-)) kein Arzt. Meine Tipps beruhen auf persönlicher Erfahrung und angelesenen Fakten.

Wer zu diesem Thema andere Infos / Meinungen hat, kann dies gerne für alle in die Kommentare schreiben (bitte ggf. mit Quellenangaben).

Auch ganz wichtig: Jeder Mensch und jede OP ist individuell zu betrachten. Sprecht immer und so ausgiebig wie möglich mit euren Ärzten. Mir fällt das auch immer schwer, und ich sammle nicht nur positive Erfahrungen (wie Blog-Leser wissen), aber letztlich geht es um unsere körperliche Unversehrtheit, das sollte uns wichtiger sein, als die Ängste, Scham oder andere Bedenken, die wir haben.

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