Gaensebluemchen

079// Über Kommunikation in der Schmerzambulanz und Rampensäue

So, ich habe es geschafft. Nach 16 Monaten bin ich in der Schmerzambulanz bei einem fremden Arzt gewesen – alleine!

Ich bin sehr stolz auf mich, wenngleich einige meiner inneren Anteile das Motzen auch diesmal nicht sein lassen können. Aber um die kümmere ich mich später.

Knapp drei Monate hatte ich auf den Termin gewartet und ich versprach mir ein paar neue Impulse und vielleicht sogar Hilfe. Vor allem, nachdem ich den Flyer der Schmerzambulanz studiert hatte: Psychoedukative Sitzungen in Kleingruppen, Feldenkrais, Akupunktur, Physikalische Therapien wie Bewegungsbad, Manuelle Therapie, Psychologengespräche, Aroma-Therapie, Diagnostik durch einen Neurologen, Behandlung chronischer Schmerzen nach einem multimodalen interdisziplinären Konzept über mehrere Monate wurden dort angepriesen. Eine Chance, vielleicht an irgendeiner Stelle noch Verbesserungen zu erreichen, … dachte ich.

Phase 1: Panik

Die letzten drei Tage vor dem Termin, in denen ich mal wieder einen zig Seiten langen Fragebogen ausfüllen und Befundkopien, Medikamentenpläne und Arztlisten zusammensuchen musste, waren die Hölle: Kapitaler Basilarisanfall, Panikattacke, schwerster Magen- / Darmstress, eine Art „Akut-Depression“ und Schmerzen bis zum Abwinken – zusätzlich zu dem Lipödem-Scheiß bei der momentanen Witterung. Mein Körper hat’s mir richtig gegeben – die gesamte psychosomatische Klaviatur rauf und runter. Und da soll man eins bleiben mit sich … ?

Zumindest hab’ ich’s versucht und konnte in vielen imaginären sowie laut hörbaren Selbstgesprächen meinen Standpunkt deutlich machen, aber auch Mitgefühl mit der armen Kreatur heucheln.

[Gut, dass niemand (außer dem Hund) mitkriegt, was ich tagsüber und nachts so mache … ;-)]

Ich stehe also nach einer miserablen Nacht morgens auf und schaffe es, dass ich etwa 45 Minuten vor dem Termin bereits im Parkhaus vor der Klinik bin. Den Rollator hatte ich mitgenommen. Momentan bin ich richtig schlecht zu Fuß und nicht mal kurze Strecken sind drin. Damit sollte es aber funktionieren! Auch wenn ich mir immer noch erniedrigt und doof damit vorkomme. Wie richtig die Entscheidung für die Gehhilfe aber ist, sehe ich, als ich zum Parkhaus-Aufzug roll-humple: „Ausser Betrieb“ steht dran. Toll! Warum erfährt das der gehandicapte Parkhauskunde erst, wenn er sich auf Etage 6 eingefunden hat?

Aber, sehen wir das positiv: Mit dem Rollator kann ich flugs die sechs Parkhausrampen runtersausen. Huuuuiiii!

Na ja, ganz so lustig ist das nicht, so schnell bin ich nunmal nicht. Sechs Etagen bergab bremsen gehen tierisch auf die Handgelenke und Arme … Aua. Und wie man sich vorkommt, als Rollatöse auf der Parkhausrampe, wenn das gesamte angrenzende Ärztehaus zuschaut, dazu möchte ich nichts sagen … :-/

Phase 2: Euphorie

In der Klinik angekommen, werde ich von der wabernden Masse einer unbestimmten Anzahl anderer Rollator-Nutzer verschluckt. Fühlt sich schon mal besser an.

In der Schmerzambulanz begrüßt man mich sehr freundlich und es gibt kaum Wartezeiten.

Ein netter, junger Arzt kümmert sich um meine Akte, die ich diesmal vergleichsweise dünn gehalten und nur die wichtigsten Befunde mitkopiert hatte – nicht dass es wieder heißt: Die macht mutwillig Ärztehopping. Das Gespräch dauert sehr lang, mir werden viele Fragen gestellt und ich muss auch nur 3 Mal heulen.

Der Arzt erklärt mir viel. Das Meiste weiß ich natürlich schon, aber ich finde es gut, wie er sich dem Fall nähert.

Er nimmt Rücksicht auf meine Ängste, die ich immerhin artikulieren kann. So benutzt er beispielsweise nicht dieses Reflex-Hämmerchen, das mir beim letzten Mal eine Dissoziation erster Kajüte bescherte und fragt bei jedem Untersuchungsschritt nach, ob das so in Ordnung für mich sei.

Das ist es. Geht doch! 🙂

Phase 3: Ernüchterung

Nicht, dass wir uns falsch verstehen, der Arzt ist wirklich nett und zugewandt, aber wenn wir das lange Gespräch einmal runterdestillieren auf die konkreten Ergebnisse für mich, haben wir

  • eine Ansammlung von Merkmalen gestörter Arzt-/Patienten-Kommunikation,
  • keine Neuigkeiten und
  • ein konkretes Behandlungsangebot, dass man vielerorts hätte bekommen können mit deutlich kürzeren Wartezeiten.

Hier ein paar Gesprächsmeilensteine:

Situation A:

Ich: Ich möchte versuchen, kein Antidepressivum (Opipramol) mehr zu nehmen, weil ich 10 von meinen 25 abgenommenen Kilos seit der Einnahme wieder drauf habe, ohne mein Essverhalten geändert zu haben. Ich würde gerne wissen, ob es im Bereich Schlafverbesserungen noch andere Möglichkeiten gibt als medikamentöse.

Er: Nehmen Sie vielleicht ein anderes Antidepressivum, dass evtl. die gleichen und andere Nebenwirkungen hat [Mirtazapin].

Situation B:

Ich: Ich möchte Ihr gesamtes Flyer-Angebot für meine Heilung nutzen.

Er: Das, was im Flyer steht, gibt’s hier nicht (mehr). Für Sie können wir nur Akupunktur anbieten.

Ich: Das ist aber blöd, weil deswegen war ich ja eigentlich hierher gekommen.

Er: Der Flyer ist nicht aktuell. [Anmerkung: Der Flyer ist von April 2018] Wir wissen, dass wir das nicht mehr anbieten, schreiben es aber trotzdem rein, auch wenn die Patienten dann enttäuscht sind.

Situation C:

Ich: Ich habe keinen auf die Migräne spezialisierten Neurologen in erreichbarer Nähe und bräuchte einen Ansprechpartner für diesen Themenkomplex.

Er: Sie brauchen einen auf Kopfschmerzen spezialisierten Neurologen als Ansprechpartner für die Kopfschmerzen und evtl. einen Psychiater für die anderen Fragestellungen.

Situation D:

Ich: Ich kann nicht mehr laufen, ich kann nicht mehr gut raus. Ich fühle mich damit (zeige auf den Rollator) auch nicht wohl, aber es ist momentan die einzige Möglichkeit, solche Termine hier alleine zu bewältigen.

Er: Am besten wäre, Sie gehen raus und laufen. Nordic Walking oder Joggen – vielleicht auch Fahrradfahren.

Ich: Das ist nicht machbar für mich momentan.

Er: Machen Sie das täglich 10 Minuten.

Ich: Äh, wiegesagt, das ist nicht machbar für mich momentan – allein schon wegen der Hälfte komplett ausgefallener Tage im Monat wegen der Migräne.

Er: Es ist wichtig, dass das regelmäßig gemacht wird.

Ich: Nochmal: Das ist nicht machbar. Ich würde ja gerne, aber ich kann das nicht, deshalb bin ich hierher gekommen, damit es wieder möglich wird.

Er: –  (tippt was in den PC)

Ich: Was ist denn mit der Physikalischen Therapie, die Sie im Flyer … ?

Er: Nicht für Sie / nicht für Fibro. Sport ist besser.

Ich: – (resignatives Schweigen)

Situation E:

Zum Thema Lipödem.
Er: “Seit wann haben sie das?”
Ich: “Äh, [ist das eine Fangfrage?] … seit der Geburt … is’ ja genetisch …”

Die Schmerzen, die hierdurch vor allem beim Laufen verursacht und verstärkt werden, werden nicht weiter thematisiert.

Dass der Schmerzarzt beim Lipödem nicht in der Tiefe Bescheid weiß, kann ich nachvollziehen. Andererseits ist die Kombination Lipödem / Fibro auch gar nicht so selten, wie man überall nachlesen kann … und dass sich ein (selbst in Kompressionsbestrumpfung deutlich sichtbarer) ödemischer Fettkragen über den Muskel-/Sehnenansätzen nicht gerade positiv auf Schmerzen in diesem Bereich auswirkt, könnte man auch durch logisches Kombinieren drauf kommen, oder?

Aber, was weiß ich schon? Ich bin eben einfach zu naiv, … oder zu arrogant (?), dass ich das von einem Arzt in der Schmerzambulanz und chronischen Schmerztherapie erwartet oder zumindest erhofft hatte.

Während ich leicht desillusioniert zuschaue, wie er wieder etwas in den Rechner tippt, bricht etwas Wildes, Ungestümes und unfassbar Mutiges aus mir heraus – ich sage:

„Also, nochmal zum Thema Sport: Ich weiß, wie wichtig Bewegung ist. Ich bewege mich, wann immer ich kann, mache Übungen, gehe einmal täglich um den Block. Das sind maximal 500 Meter. Mehr schaffe ich nicht. Es ist einfach unrealistisch, mir Nordic Walking o.ä. zu empfehlen. Verstehen Sie? Ich würde ja gerne, aber das ist ja genau das Problem, dass ich es nicht kann.“

Antwort: Keine.

Hm.

Nach einer kurzen Pause, in der er weiter in den PC hämmert und ich darüber nachdenke, in welche Sprache ich das Gesagte nochmal übersetzen könnte, um verstanden zu werden, setze ich nach und werde (auch weil ich keine nennenswerten Fremdsprachenkenntnisse habe) auf Deutsch deutlicher:

„Ok, nochmal: Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, aber ich bin keine dicke Fibro-Tante, die keinen Bock hat, sich zu bewegen. Was Sie empfehlen, ist nur einfach unrealistisch.“

Ich kann fast nicht glauben, dass ich das gesagt habe, aber ich hab’s gesagt!!! 😀

Innerlich erwartend, dass mich gleich von irgendwo her der Schlag trifft, ob dieser Unverschämtheit, gucke ich ihn an – vielleicht sogar böse … wer weiß …

Seine Antwort: „Äh … nee, nee“ … und tippt weiter in den PC.

Weil ich nun einen gewissen pädagogischen Ehrgeiz entwickele und weil ich offenbar noch Herrin der Lage und weder dissoziiert noch kurz vor’m Flashback bin, ergänze ich ruhig:

„Wissen Sie, wo das bei Leuten wie mir hinführt, wenn Sie so was sagen? Das bedeutet: Wenn du keinen Sport machst, bist du selber Schuld an deiner Krankheit. Da hängen wir soooo tief in Schuldgefühlen. Das ist nichts, was hilft.“

Er: „Äh, nein, so isses ja nich’ … äh…“ und weiter: „So, vorne bekommen Sie ihre Termine für die Akupunktur. Wir sehen uns dann Ende Juli nochmal.“

Ich: „Ja, alles klar. Vielen Dank für Ihre Rücksichtnahme vorhin.“

Ohne ein Danke geht es bei mir nicht. 😉 War auch ehrlich gemeint.

Mehr fällt mir auch nicht mehr ein und ich bin ja sehr, sehr glücklich, dass ich nicht wieder völlig abgeschmiert bin.

Phase 4: Willkommen zurück

Nach einem kurzen Austausch über Organisatorisches mit der wirklich super-netten Dame an der Anmelde-Theke trete ich den vorläufigen Rückzug an.

Am Parkautomat fällt mir ein, dass man ja immer nur eine gewisse Zeit zur Verfügung hat, um vom Bezahlen zur Ausfahrt zu gelangen. Ich schätze, es werden bestimmt nicht mehr als 10 Minuten sein. Sportlich! Sechs Rampen, plus Rollator einpacken, plus runter fahren. Ja, dann aber: “Zack, zack!”, denke ich.

Was hatte ich gesagt?  Der Abstieg sei schwer gewesen? Dann holt uns jetzt gemeinsam die Rampen-Realität ein: Die ersten drei Etagen nehm’ ich noch volley. Etage 4 erklimme ich in deutlich reduziertem Tempo, aber ich erklimme sie.

Nächstes Ziel: Etage 5. Jetzt wird’s krass. Mit den Unterarmen auf die Handgriffe des rollenden Helfers gestützt, krieche ich wie eine schwer vom Morbus Bechterew gezeichnete 102-Jährige die Rampe rauf. Ein Auto kommt. Bleibt kurz auf meiner Höhe stehen und macht ein „wohl-meschugge-Handzeichen“… – die dumme (Rampen-)Sau!!! Am liebsten hätt’ ich ihm mit dem Rollator die Windschutzscheibe zertrümmert und ihm „Fahrstuhl außer Betrieb, du Penner“ auf die Stirn tätowiert – nein: gebrannt oder gepeitscht.

Aber, in Ermangelung der entsprechenden Energiereserven und Werkzeuge, kroch ich einfach weiter. Fing stattdessen an zu summen:

Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein, und durch meine Blüte fließt die Sonne in mich rein, ich bin ein Gänseblümchen, ohne Aggression. Wut, Ärger, was bringt das schon? … ich bin ein Gänseblümchen … la la la …*

Mit Wut-Tränen in den Augen und vollkommen erschöpft komme ich auf Etage 6 an. Packe mit tauben Armen den Rollator ein und schaffe es, offenbar just in time durch die Schranke zu kommen.

Alter Verwalter, was für eine Aktion!

Nassgeschwitzt, leicht verheult, aber sehr stolz lande ich wieder zu Hause – willkommen zurück!

 

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* aus Ganz Schön Feist: Gänseblümchen: https://youtu.be/KK2x2VzW5_k?t=22

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Bild: pixabay/MabelAmber

DSGVO

DSGVO und so …

Wie viele andere Blogger auch, habe ich in den letzten Wochen wie wild an meiner Seite rumgeschraubt, um den Anforderungen der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) zu genügen. Diese gibt es zwar schon etwa 2 Jahre, aber ab 25.5.2018 wird’s u.U. ernst bei Verstößen.

Einige Grundideen dieses Gesetzes sind gut und richtig – keine Frage. Leider kommt es viel zu spät, so dass wir  kleinen Blogger jetzt die Versäumnisse unserer Regierungs-Muttis und -Vatis mit dem “Neuland Internet” ausbaden müssen. Hinzu kommt, dass die Macher der ganzen Geschichte selber keine Ahnung haben, was sie da eigentlich verzapfen, scheint mir. Dafür hängen einige Beteiligte ihren Arsch (pardon) aber ganz schön hoch – wie z.B. Frau Věra Jourová (beteiligte EU-Kommissarin):

In einem Interview mit der ZEIT zum Thema DSGVO sagte  Jourová auf den Einwand des Redakteurs, dass “kleinere Betreiber, gerade Blogger und Vereine, […]oft nicht das Geld [haben] und [nicht] wissen […], wie sie alle Kriterien umsetzen sollen”:

“Die sollen mir eine E-Mail schicken.” (Zitat Ende)

Das lass’ ich mir ja nicht zwei Mal sagen und schrieb ihr Folgendes:

Betreff: Ihr Hilfsangebot
Datum: Thu, 17 May 2018 10:13:41 +0200
An: vera-jourova-contact(at)ec.europa.eu

Sehr geehrte Frau Jourová,

In der Onlineausgabe der Zeit (https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2018-05/vera-jourova-eu-kommissarin-datenschutz-grundverordnung-dsgvo) konnte ich in dem Artikel Ihr freundliches Angebot finden, mich im Falle von Unklarheiten bzgl. der Umsetzung der DSGVO als Blogger zu unterstützen. Dieses Angebot nutze ich (gezwungenermaßen) gerne.

Da wir offensichtlich grundsätzlich unterschiedliche Definitionen des „gesunden Menschenverstandes“ haben und diejenige Variante, die meiner Definition entspricht, in der europäischen Gesetzgebung offensichtlich schon vor Jahren weitestgehend abgeschafft wurde, fühle ich mich etwas hilflos – ja geradezu verloren. Noch dazu bin ich schwerbehinderter Erwerbsminderungsrentner, der aufgrund seiner Behinderung noch mehr Schwierigkeiten mit der Umsetzung Ihrer Ideen hat.

Es ist daher eine große Erleichterung für mich, dass Sie sich nun um die DSGVO-Konformität meiner Website www.myyzilla.de kümmern. Die Logindaten für die Adminumgebung und meine Vollmacht sende ich Ihnen gerne mit einer weiteren E-Mail. So geht es sicher am einfachsten und meine Daten sind bei Ihnen bestimmt sicher … ich vertraue Ihnen da total und freue mich, dass Sie mir helfen möchten. 🙂

Mit freundlichen Grüßen

Eine Antwort habe ich noch nicht, aber bis zum 25.5. sind’s ja noch 3 Tage … 😀

Am Ziel vorbei

Bei allem Humor ist die ganze Sache aber wiedermal typisch: Die Großen, um die es eigentlich gehen muss, beschäftigen mal eben Ihre IT- und Rechtsabteilungen mit dem Umbau ihrer IT-Infrastruktur, AGBs, Datenschutzerklärungen, Verzeichnissen und was sonst noch nötig ist. Wir Kleinen können sehen, wie wir klarkommen. Für uns ist es fast unmöglich, uns weiter im Netz zu halten, ohne Gefahr zu laufen, irgendwann irgendeinem Abmahnaffen in die Hände zu fallen.

Abmahnopfer zu werden, ist ja mittlerweile Lebensrisiko. Gut, dass ich immerhin fachkundige Rechtsanwälte in der Hinterhand habe, die mir im Ernstfall zur Seite stehen. (Kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, falls sich einer von euch Abmahn-Typen hierher verirrt und mir an den Karren pinkeln will. Ich bin gut vorbereitet und wehre mich, da könnt ihr Gift drauf nehmen! Behinderung hin oder her. Und was das für euer Karma bedeutet, wenn ihr Menschen wie mir das Leben zusätzlich erschweren wollt, könnt ihr euch selber ausrechnen … viel Spaß in den nächsten 6 Leben als Filzlaus oder Nacktmull!

Pardon, ich schweife ab … 😉 )

Was ändert sich nun für meine Websitebesucher?

Vordergründig nicht viel. Im Hintergrund habe ich allerdings einiges getan, um die Daten meiner Websitebesucher noch besser zu schützen bzw. deutlich weniger Daten beim Rumklicken auf meiner Seite automatisiert von irgendwelchen Plugins erheben zu lassen (Stichwort Datenminimierung).

Das war (vor allem in meinem momentanen desolaten Zustand) kein Ponyhof, das kann ich Euch sagen. (Bitte jetzt ein mitleidiges Oooooh in meine Richtung denken ;-))

So habe ich beispielsweise sämtliche Plugins auf DSGVO-Konformität geprüft und so konfiguriert, dass sie DSGVO-konform nutzbar sind, ausgetauscht oder rausgeschmissen; evtl. vorhandene IP-Adressen wurden aus der Datenbank gelöscht; es werden bis auf Weiteres keine Avatare von Gravatar mehr  auf meiner Seite angezeigt; ebenfalls rausgeflogen: mein Kontaktfomular (aber das mehr aus Protest und Bockigkeit meinerseits 🙂 ). Wer jetzt etwas von mir möchte, muss ganz old school eine E-Mail mit seinem Mailprogramm schicken. Ich hoffe, das können noch alle … 😉

Die Details findet Ihr jetzt in meiner neuen (3 Kilometer langen) Datenschutzerklärung.

Wenn Euch irgendwas auffällt, das ich unbedingt noch ändern sollte, bin ich dankbar für einen (kostenfreien) Hinweis.

Ganz lieben Dank für Euren Support!

Eure
myyzilla

PS:

(kleiner Insider ;-))


Grafik: pixabay/geralt

USA: Erstes CGRP Medikament gegen Migräne zugelassen

Interessant für alle, die sich mit Migräne herumplagen müssen – vor allem diejenigen mit chronischen und schweren Verlaufsformen sollen laut Pressberichten hiervon profitieren: Seit dem 17.5.2018 ist das erste CGRP Medikament * Erenumab / Aimovig in den USA für die vorbeugende Migränebehandlung bei Erwachsenen zugelassen worden.

Offenbar ist das Medikament, das mittels Injector einmal im Monat vom Patienten selbst injiziert werden kann, auch bei Basilarismigräne einsetzbar – zumindest werden in der amerikanischen Fachinformation und in der Patienteninformation keine Kontraindikationen diesbezüglich genannt**.

Das wäre ja mal was …

Euphorie?

Für jeden Tag und jede Stunde ohne Migräne bin ich dankbar.  Der Wirkmechanismus und die Substanz Erenumab an sich erscheint mir auch geradezu sympathisch im Vergleich zu beispielsweise Gabapentin oder Topiramat.

Trotzdem hält sich meine Euphorie bisher noch in Grenzen, denn bei den Studien im Vorfeld der Zulassung zeigten sich im Mittel nur 1-2,5 weniger Migränetage pro Monat im Vergleich zu den mit Placebo behandelten Patienten***.

Das wäre bei einer Durchschnittsfrequenz von über 10 Migränetagen im Monat (bei chronischer Migräne keine Seltenheit) immer noch kein besonders durchschlagender Erfolg, finde ich …  Da muss wohl jeder selbst entscheiden, ob er es mal probieren will, wenn das Medikament bei uns in Deutschland zugelassen wird. Wichtig dafür:

Die Nebenwirkungen

Bei den Studien mit dem CGRP Medikament wird über sehr wenig Nebenwirkungen berichtet. Am häufigsten sind offenbar

  • Schmerzen an der Injektionsstelle  (mimimi … gibt ja wohl Schlimmeres),
  • Infektionen der oberen Atemwege (is’ auch nich’ schön)
  • und Übelkeit (grade die soll doch auch weg! mäh! …).

Man wird abwarten müssen, was kommt, wenn das Medikament “in die Fläche” geht.

Meistens werden ja in Studien die Patienten gut “ausgesiebt”, damit man am Ende bessere bzw. vergleichbarere Ergebnisse hat. Das hat leider den Nachteil, dass man Patienten mit verschiedenen Koerkrankungen in den Studien vorher selten bis nie gesehen hat. D.h. niemand kann bei der Zulassung sagen, ob z.B. Patienten mit Autismus, Fibromyalgie, CFS, Multipler Sklerose usw. nicht doch erhebliche Nebenwirkungen an anderer Stelle im Körper haben – vor allem bei der Langzeitanwendung. Das sieht man erst, wenn sehr viele verschiedene Patienten mit ihren individuellen biologischen Voraussetzungen ein Medikament eingenommen haben.

chronische Migräne und Aura

Ein weitere Frage, die sich auftut: Hat das CGRP Medikament auch eine positive Wirkung auf die bei chronischer Migräne häufig vergesellschafteten, bei vielen Betroffenen nahezug täglich vorhandenen Spannungs- und anderen Kopfschmerzarten?

Dazu konnte ich noch nichts belastbares herausfinden, außer vereinzelten anonymen Forenbeiträgen von Studienteilnehmern, die offenbar unter Erenumab auf allen Ebenen Erleichterung empfanden.

Auch, ob die Wirkung sich nur auf die Kopfschmerzen oder auch auf die Aura (oder beides) bezieht, wäre interessant (in Bezug auf die Basilarisaura sogar entscheidend) für mich. Getestet wurde das Medikament offenbar an Patienten mit und ohne Aura***. Wie es im Speziellen bei Basilarismigräne aussieht, darüber ist nichts zu finden (meine Prognose, die auch in einschlägigen Foren geteilt wird: Das wird wahrscheinlich auch nichts werden, wie immer :-/ …)

Unter’m Strich braucht es also erstmal wieder massenhaft Versuchskaninchen. 😉

Die Medien und gute Ratschläge

Wäre nur schön, wenn es in den Medien jetzt nicht gleich wieder heißt: “Gegen Migräne gibt’s doch jetzt was ganz Tolles. Das musst Du nur nehmen, dann bist Du geheilt”. Und daraus folgt für das soziale, medizinische und politische Umfeld: “Wenn Du das nicht wenigstens probiert hast, bist Du nicht gewillt, Deine Krankheit loszuwerden”.

Ja, ja …

Kassenzulassung

Ebenfalls gespannt bin ich, ob das Medikament nach der grundsätzlichen Zulassung in Deutschland direkt auch kassenfinanziert zu haben ist. Ansonsten hieße es ja, dass die Privatpatienten erst mal die “Drecksarbeit” machen können und Versuchskaninchen für uns “Kassler” spielen müssten … Das ist allerdings mal ein Gedanke, der zumindest schmunzeln lässt … (sorry liebe “Privatler” nehmt’s nicht persönlich, mal ist man eben der Hund und mal der Baum 😉 ).

Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass das viel Anklang in den zahlungskräftigen und somit lobbymäßig gut vertretenen Reihen unseres Landes finden wird. 😉

Wir sehen: Was zu diesem Thema noch alles zu hören/ sehen / lesen sein wird, bleibt spannend … 🙂


Einen aktuellen Beitrag hierzu hat auch Violetta in ihrem Blog “Das Migräneprojekt” verfasst, den ich hier gerne teile:

Erstes CGRP Medikament in den USA zugelassen


*CGRP = Calcitonin Gene-Related Peptide: Ein Neuropeptid, das im peripheren Nervensystem und Zentralnervensystem gebildet wird und stark gefäßerweiternd wirkt. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne.

**englischsprachige Produktinfos des Herstellers (Amgen Inc./Novartis) zum neuen CGRP Medikament:

“Fachinfo”: https://pi.amgen.com/~/media/amgen/repositorysites/pi-amgen-com/aimovig/aimovig_pi_hcp_english.ashx

“Pateinteninfo”: https://pi.amgen.com/~/media/amgen/repositorysites/pi-amgen-com/aimovig/aimovig_ppi_pt_english.ashx

***Quelle: http://www.schmerzklinik.de/aktuelles

Grafik: pixabay/TheDigitalArtist

Migräne-Forschung: Arschkarte für Nordlichter

Na, toll. Dass ich eindeutig zu den Nordmenschen gehöre, zeigt nicht nur mein Äußeres, sondern auch ein Blick in die Ahnentafel.

Ich komm‘ schon immer viel besser auf Kälte klar als auf Sonne und Hitze. 

Dass das nicht nur Vorteile hat, sondern offenbar auch meine genetische Prädisposition für die Migräne begünstigt haben könnte, ist dann doch ein überraschendes Ergebnis neuerer Migräne-Forschung:

„Einen Grund dafür fanden Forscher jetzt in Gestalt einer Variante des Gens TRPM8: Sie hilft offenbar den Menschen des Nordens besser mit kalter Witterung umzugehen, erhöht aber gleichzeitig das Migränerisiko.“

Quelle: Spektrum.de

Das lese ich grade in der Online-Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft.

Das ist für viele von Euch bestimmt genau so interessant wie für mich, also gibt‘s hier den ganzen Artikel: 

https://www.spektrum.de/news/der-preis-fuer-unsere-kaeltetoleranz/1563004

078 // Instagram-Challenge “Fibro-Awareness”

Vom 1. bis 12. Mai gibt es wieder eine tolle Challenge auf Instagram! Initiatorin ist die weltbeste FibroFee. Heute, an Tag 4 der Challenge, geht es um das Thema “Wie fühlt sich Fibro für mich an …” – angekündigt war es mit “FibroFeeling”.

Da ich momentan mit Fieber und Halsschmerzen noch weniger schlafe als sonst, hatte ich diese Nacht um 3 Uhr so eine Art “Audio-Vision” … 😉

Jetzt ist der Ohrwurm da 😀  [Bitte die Melodie von “Bacardi Feeling/Summer Dreaming” ins Gedächtnis rufen und los … :]

Rabe

077 // Ärzteblog auf doccheck: Von Raben und anderen Tieren

Es ist mal wieder so weit: Ein Artikel, in dem sich “Lieschen Müller”, in ihrem Ärzteblog auf doccheck über Patienten-Kategorien auslässt, hat es geschafft, meine noch immer anhaltende Schreibblockade kurzfristig zu durchbrechen.

Zitat:

“Kategorie 1: Der Rabe
Der unglückliche Rabe mit dem gebrochenen Flügel. Die Kranken, die krank sein wollen. Stichwort „chronischer Schmerzpatient“. Nimmst du ihnen die Krankheit, ist nichts mehr von ihnen übrig.”
Quelle: http://news.doccheck.com/de/blog/post/8821-ein-chamaeleon-das-krank-sein-wollte

Es folgen noch Strauß, Löwe, Biene und Chamäleon …

Natürlich weiß ich, dass ein Ärzteblog auf doccheck besonders für Ärzte und medizinisches Fachpersonal gedacht ist und der Artikel lustig sein soll. Ist er aber nur bedingt. Dennoch (oder grade deshalb) wollte ich etwas Unlustiges als direkten Kommentar dazu schreiben. Hab’ ich auch – allein die Begrenzung auf lächerliche 1000 Zeichen 😉 hat verhindert, dass ich das Folgende direkt darunter setze (stattdessen gibt es als Kommentar nur eine verstümmelte Kurzversion meiner Gedanken (*s.u.)).

Deshalb hole ich das hier nach und verkünde:

Chronische Schmerzen sind ein komplexes Geschehen, dem man mit Schubladendenken nicht beikommen kann. Auch nicht, wenn Sie lustige Tiere vorne auf die Laden kleben!

Ich bitte alle Ärzte, die hier mitlesen, GERADE bei chronischen Schmerzen NICHT standardmäßig die Rabenschublade aufzumachen, und Sprüche wie „die wollen ihre Schmerzen garnicht loswerden“ zu klopfen, sondern sich bewusst zu machen, dass es vielschichtige Gründe für chronische Schmerzen gibt (sogar physische, die Sie nur noch nicht erkannt haben) und dass so manches, von Ihnen als Rabentier oder Chamäleon „erkanntes“ Patiententierchen (nicht alle) in Wirklichkeit jeden Tag mehr Löwe ist, als Sie es sich vorstellen können – gerade bei denen die schweigen! Bedenken Sie bitte auch: Viele chronische Schmerzpatienten sind sogar aufgrund ihrer allzu löwenhaften Attitüde über Jahre und Jahrzehnte hin erst zum chronischen Schmerzpatienten geworden. Für diese Exemplare ist nichts schlimmer, als auf Einstellungen wie diese hier zu treffen.

Es sind Aussagen wie diese, die es so vielen chronischen Schmerzpatienten noch schwerer machen als es so schon ist mit unsichtbaren Krankheiten. Wegen solcher Erlebnisse, rennen die Menschen dann massenhaft zu jeder Art von Quacksalbern und selbsternannten Krankheits-Checkern, weil sie dort vielfach zumindest eins vorfinden: Wertschätzung und Respekt.

Damit meine Kritik noch ein wenig konstruktiver wird:

Wenn ich als Orthopäde und Unfallchirurg mit einem so komplexen Krankheitsbild wie chronischen Schmerzen, bei dem nicht selten schwere Traumatisierungen u.ä. im Schlepptau sind, überfordert bin, sage ich dem Patienten,

  1. dass ich seine Beschwerden ernst nehme, (!!!)
  2. dass ich als Orthopäde/Chirurg da momentan nichts findem kann (was gut ist),
  3. dass man weiterforschen muss, um den Schmerzen auf den Grund zu gehen,
  4. dass ich einen fachlich kompetenten Kollegen oder eine gute Schmerzklinik kenne, zu dem/der ich überweisen kann.

… und zwar alles OHNE (auch unbewusste) Vorverurteilungen.

Übrigens:

Selbstverständlich werden von fachlich und menschlich versierten Kollegen mit dem Patienten auch dessen individuelle, krankheitserhaltenden Faktoren besprochen. Auf eine wertschätzende und respektvolle Art. Das müssen Sie als Orthopäde nicht tun, wenn Sie nicht grade ein Naturtalent mit besonderem psychologischen Geschick sind (wovon ich nach dem o.g. Artikel nicht ausgehen kann).

Auch an alle Ärzte, die sich hier mitamüsieren: Bitte, bitte, bitte reflektieren Sie.

Über Ihren Beruf, über Ihre Einstellung, über Ihr Menschenbild und darüber, wie Sie selbst von anderen gesehen und behandelt werden möchten, wenn Sie in einer Notlage um Hilfe bitten.

Ein ganz einfacher Satz, den sich jeder (nicht nur) Arzt merken sollte: „Empathie schadet nie!“

Bleiben Sie gesund!

 

* Hier die Kurzversion, die ich als Kommentar unter den Artikel gesetzt hatte:

Der Artikel soll lustig sein, ist er aber nicht. Chronische Schmerzen sind ein komplexes Geschehen, dem man mit Schubladendenken nicht beikommt. Auch nicht, wenn lustige Tiere auf den Laden kleben! Ich bitte alle Ärzte, GERADE bei chronischen Schmerzen NICHT standardmäßig die Rabenschublade aufzumachen. Es gibt vielschichtige Gründe für chronische Schmerzen (sogar physische, die Sie nur noch nicht erkannt haben). So manches, von Ihnen als Rabe oder Chamäleon „erkanntes“ Patiententierchen ist jeden Tag mehr Löwe, als Sie es sich vorstellen können – gerade die Schweigenden! Nicht selten sind schwere psychische Traumatisierungen u.ä. im Schlepptau. An alle Ärzte, die sich hier amüsieren: Bitte, bitte, bitte reflektieren Sie darüber, wie Sie selbst von anderen gesehen und behandelt werden möchten, wenn Sie um Hilfe bitten. Danach lacht es sich über Randgruppenwitze auch viel entspannter, weil zu irgendeiner gehört garantiert jeder … auch Sie 😉


Kleines Beispiel noch für die andere Perspektive, falls sich doch mal ein Mediziner hierher verirrt:

Blogbeitrag: Von Schubladen und falschen Filmen

076 // Kranke Kommunikation

Krankheit ist ein guter Lehrer, ja, aber sie kann auch Störer und Weltverdreher sein, denn Krankheit wirkt sich auf alle Lebensbereiche und alle menschlichen Interaktionsfelder aus.

Wie meine Krankheit beispielsweise auf die Kommunikationsfähigkeit einwirkt, zeigt eine kleine Situation, bei der ich mich neulich fragte, wie schlimm es mit mir noch werden wird …

Auf der Seite einer Physiotherapie-Praxis lese ich (auf dem Handybildschirm) „Physiotherapie –
Offene Stellen“

Als jung dynamischer zweckentfremdeter Lohnarbeiter, der ich einst war, hätte ich hierbei natürlich sofort an die nächste Stufe der Karriereleiter gedacht.

Aber als (dazu noch leicht autistisch veranlagte) Kranke assoziiere ich spontan stattdessen: …

Na? Was?

Richtig: Wunden, Geschwüre und grausliche Dekubitus-Fälle.

Dazu fällt mir dann nur noch eins ein:

Picard Facepalm

Dieses Video ansehen auf YouTube.

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(Quelle Titelbild: movida-physiotherapie.de)

075 // Konfliktangst-Bewältigungstraining: check

Der ein oder andere mag meine Aktion für sarah (und Viola) albern und übertrieben finden. Dabei sollte man nicht vergessen, warum ich unter anderem so vorgehe: Stichwort “Konfliktangst-Bewältigungstraining” …

Ich wollte Ärger, Konflikt und Stress, damit ich mich daran gewöhnen kann und durch Gewöhnung und Konfrontation ein bisschen lockerer werde. Ich habe Ärger, Konflikt und Stress bekommen, also musste ich diese Gelegenheit einfach nutzen.

Zumal ich bei meinem letzten sehr großen, unvorhersehbaren Konflikt, von dem ich noch gar nicht erzählt habe, wieder sehr schwer angeschlagen war.

Und, hat’s was gebracht?
Ja, absolut.
Im Vergleich zum Bootcamp nach meinem Auftritt im Kopfschmerzforum war das gestern schon ein Spaziergang.

Wir erinnern uns:
Damals: 3 Tage Panikattacken, Herzangst, Migräne und Heulerei ohne Ende. Selbstzweifel, Fluchttendenz und Verzweiflung. Das ganze Blog wollte ich zwischendurch löschen! Ich Weichei.

Diesmal lief es schon bedeutend besser: Nur einmal ordentlich Blutdruck, Schwindel und Ohrenfiepsen. Ein paar Stunden Nervenzucken und Gesichtsschmerzen. Pillepalle! Und Migräne krieg’ ich sowieso alle paar Tage, da sind die Kausalitäten wurscht.

Das wird also! 🙂

Was hab’ ich diesmal anders gemacht?
Diesmal habe ich mich mit meinen Körperreaktionen als solche beschäftigt, sie nicht sofort als „Angst“ wahrgenommen und ich habe mal wieder alle Stimmen in mir labern lassen – nichts unterdrückt oder ignoriert. Es war dadurch mehr ein hysterisches inneres Zeter und Mordio, aber es gab von Anfang an auch die amüsierten Teile, denn spätestens als Viola „Spast“ zu mir gesagt hat, hab’ ich mich gefreut, wie ein Schneekönig. Ich fühl’ mich richtig geehrt irgendwie. Einerseits, weil ich das Wort phonetisch so mag und immer an das Buch „Chill’ mal, Frau Freitag“ * denken muss und andererseits, weil ICH sie dazu gebracht hab’, ausfallend zu werden. Das ist nicht nur selbstwirksam sondern sogar fremdwirksam! Das ist ein Riesenerfolg für mich.
Aber nicht nur für mich!
Auch mein Mann ist glücklich, weil er sein Betitelungs-Repertoire erweitern konnte. So nennt er mich jetzt liebevoll „mein Spast“ (statt Affenmädchen) 😀

Ebenfalls nicht zu vergessen:

Ich bin immer noch ein schwerbehinderter Erwerbsminderungsrentner (GdB 70), der keine 500 Meter zügig alleine laufen kann und fast nur in der Bude oder im Bett hängt, weil er sich zwischen den Migräneattacken mit chronischen Schmerzen im ganzen Körper, Depris, Ängsten und Erschöpfung rumärgern muss.

DAFÜR hab’ ich nicht schlecht reagiert, finde ich. FibroFog hin oder her. Da muss ich mich mal selber loben. 😉

Aber die wichtigste Erkenntnis, die sich auch diesmal wieder bestätigt: Egal, was ist: so lange man nicht alleine dasteht, ist alles zu schaffen.
Ob die vielen tollen Nachrichten, die Lacher im „Publikum“ oder die Tatsache, dass ich um mich herum Menschen habe, die auch wirklich jeden Scheiß mittragen, den ich mir ausdenke, für alles und jeden einzelnen bin ich dankbar. Dankbar, dass es auch diese Menschen gibt und, dass sie da sind, wenn ich sie brauche.

DAS ist der Unterschied zu früher und DAS ist der Unterschied zwischen Trauma und Glück. <3

 

*

Eine der Lieblingsbeschimpfungen aller Schüler ist ja Spast. Jedes Mal, wenn ich das Wort höre, frage ich die Schüler: „Weißt du denn, was ein Spast ist?“ Und ich bekomme immer die gleiche Antwort: „Ja, klar. Ein Spast ist ein kleiner Vogel.“ Da steht also ein riesiger arabischer Schüler vor mir, wahrscheinlich mit Totschläger und Messer in der Tasche und einer kiloschweren Schüler- und Polizeiakte, und denkt, ein Spast sei ein kleiner Vogel.
(Quelle: Frau Freitag – Chill’ mal, Frau Freitag: Aus dem Alltag einer unerschrockenen Lehrerin. Ullstein 2011)

Kleinanzeige Teddybär

074 // I love sarah – Kleinanzeige die 2. …

Irgendwie hatte mich sarahs Schicksal von neulich nicht losgelassen und nach einer fast schlaflosen Nacht (nicht wegen ihr, aber wegen einer ähnlich willkommenen „Freundin“ namens Fibromyalgie) stellte ich eine weitere Kleinanzeige in dem Portal mit dem entsprechenden Bild* ein:

„Liebe Kleinanzeigen-Leser.
Auf meine letzte Anzeige in der Rubrik „zu verschenken“, in der ich nach alten / defekten Woks suche (gerne geschenkt), erhielt ich eine Antwort von einem Nutzer namens sarah.
sarah schrieb: „Schmarotzer“

Ich habe sarah daraufhin einen ganzen Blogeintrag auf meiner Seite myyzilla . de gewidmet (Titel: „073 // Leute gibts …“)

Jetzt suche ich noch mehr Liebe und Aufmerksamkeit für sarah. Es scheint ein großer Mangel hieran bei ihr (oder ihm?) zu bestehen.

Natürlich zahle ich als Schmarotzer nichts dafür, aber vielleicht können wir alle zusammen mit unseren liebevollen (kostenlosen) Gedanken sarahs Herz irgendwie erwärmen und dafür sorgen, dass sarah sich wieder besser fühlt.
Da sie leider ansonsten anonym blieb, müsste es irgendwie „feinstofflich“ gelingen, aber der Glaube an die gute Sache versetzt ja bekanntlich Berge. 😉

Wer auch Liebe und Aufmerksamkeit braucht, kann sich gerne ebenfalls melden. Vielleicht gibt es auch noch originellere und zeitgemäßere Beschimpfungen, die euch einfallen? Die besten veröffentliche ich natürlich ebenfalls auf meinem Blog. ;-)“

Nach ein paar Stunden konnte ich bereits über 200 Aufrufe verzeichnen und bekam viele Nachrichten und Likes.

Nur sarah schwieg bisher. Mag vielleicht daran liegen, dass ich sie direkt nach ihrem kleinen „Fauxpass“ beim Anbieter als Spam gemeldet habe. Natürlich ohne vorher auf sie direkt zu reagieren. 🙂 Das macht man ja nicht. Das wäre dann doch zu viel Futter für einen Troll.

Viel lieber berichte ich von dem wirklich tollen, positiven Feedback, das ich erhalten habe:

Zum Beispiel von Kati: Sie wurde kürzlich offenbar auch von einer sarah dämlich angeschrieben, nachdem sie einige gut erhaltene Kuscheltiere anbot und lediglich einen kleinen Obolus in Form einer Tüte Kaffepads o.ä. dafür erbat. (Was fällt ihr auch ein?! ;-))

Oder Andreas: Er schrieb von Denise, die ihn als Katzenvermehrer beschimpfte, weil er Katzenbabys nicht zum Spottpreis abgeben wollte, um sie vor fragwürdiger „Weiterverwendung“ zu schützen.

Und Ronny, der zusicherte, ein bis zwei Minuten seiner Zeit zu investieren, um an sahra zu denken. Er mutmaßte:

„da steckt ein armer Mensch hinter, der leider noch nicht kennengelernt hat, was es heißt, was für andere Menschen zu tun“.

Wie schon persönlich geschehen, danke ich ihm auch hier nochmal für seine Unterstützung, denn ich finde, in diesem speziellen Fall zählt jede Minute! 🙂

CH. schrieb:

„Diese Person “Sarah ” hat wirklich nichts besseres zu tun als Leute wegen ihrer Suchanzeigen zu beschimpfen, Bedauerlich !!!!“

Ramazan zeigte sich ebenfalls empathisch:

„Scheiß einfach auf solche Menschen, die den Sinn deiner Anzeige nicht verstanden haben!!!!!LG“,

schrieb er.

Ich antwortete ihm:

„[…] Du hast einerseits Recht, wenn du sagst „scheiß drauf“. An ihr als Person bin ich auch überhaupt nicht interessiert und sie selbst wird von mir auch keinerlei persönliche Reaktion erhalten.
Aber ich meine das schon ernst, dass bei solchen Menschen einfach viel Liebe und Aufmerksamkeit fehlte, so dass sie weder Mitgefühl noch Empathie entwickeln konnten.
Dafür ist nicht nur sie selbst, sondern auch andere mitverantwortlich.
Dazu noch ein bisschen Neid und eigener sozialer Misserfolg und schon haben wir den Salat (wie man leider an jeder Ecke in dieser Welt sehen kann).
Dieser Gesinnung und hasserfüllten Trollerei möchte ich etwas entgegensetzen.

Irgendwas – und wenn es „nur“ Liebe ist ;-)“

Ich hoffe sehr, es hilft … 😉

—— update 14.4.: ——

Aaaah, endlich mal eine zünftige Beleidigung! 🙂

Viola schreibt:

„Du bist die jenige die hier aufmerksamkeit sucht, spast“

Wow!

Also „spast“ finde ich auf jeden Fall schonmal zeitgemäßer als „Schmarotzer“ – dafür Daumen hoch … und neun Wörter sind ja schon eine richtig persönliche Nachricht … Toll! 🙂 Die fünf Fehler will ich mal nicht überbewerten, der gute Wille zählt. Weiter so! 🙂

Beeindruckend, dass sar… äh Viola auch schon erkannt hat, warum man mit seinen Geschichten und Erlebnissen in die Öffentlichkeit geht. Also dumm ist sie nicht … Respekt! 😉

 

 

 

 

_ _ _

* (Bild: Pixabay)

073 // Leute gibt’s … (meine Kleinanzeige)

Jetzt schreib’ ich mir in diesem Blog seit über einem Jahr die Finger wund und habe nicht einen einzigen ernsthaften Hater damit hinter’m Ofen vorgelockt.

Bis auf ein paar Spam-Kommentare, die sexuelle Onlinedienstleistungen offerieren, nahm bisher niemand mein Geschreibsel zum Anlass, sich irgendwie unqualifiziert zu äußern – im Gegenteil, bisher erreichte mich nur positives Feedback. (Mal abgesehen von meinen Gönnern aus dem Kopfschmerz-Forum …)

Insgeheim wünschte ich damals schon, dass es mal richtig rund geht hier, um meine Konfliktfähigkeit zu trainieren und es mit Trollen jeder Art aufzunehmen und sie in Grund und Boden zu ignorieren.

Wer kann ahnen, dass es mir nun mit einer einzigen kleinen Anzeige auf einem bekannten Online-Kleinanzeigen-Portal endlich gelungen ist, offenbar die Königin (zumindest aber laut hebräischer Namensetymologie Prinzessin, Fürstin oder Herrin) der Hater zu erwischen:

sarah

sarah antwortete auf meine Anzeige, in der ich (alte, defekte, verbeulte, qualitativ unbrauchbare) Woks für mein nächstes Bastelprojekt suche (die ich gerne kostenlos nehme, aber auch Preisvorstellungen erfrage) folgendermaßen:

„Schmarotzer“,

schreibt sarah.

Nichts weiter.

Fast hätte ich ihre kurze Nachricht zwischen all dem systemseitig gedruckten Drumherum gar nicht gesehen, doch dann kapierte ich, dass dies wirklich und wahrhaftig sarahs Reaktion auf meine Anzeige ist, die ich (naiver- und aufrichtigerweise) unter der Rubrik „zu verschenken“ eingestellt hatte.

Zugegeben: Der erste Reflex meinerseits war, ihr zu anworten und sie zu fragen, was (the fucking fuck) mit ihr nicht stimmt.

Aber ich besann mich kurz darauf und verlor mich in meinen Gedanken …

Ich stellte mir sarahs Leben vor:

sarah wurde von den Männern, ihren Kindern, ihren Eltern, ihren Lehrern, Mitschülern, ihrem Vermieter, dem Hausmeister ihres Vermieters, ihren Frisörinnen, Nagelstylistinnen, Pizzaboten, Arbeitgebern, Lieferanten des Arbeitgebers und weiß der Geier von wem noch alles schwer enttäuscht – immer wieder. Immer zahlte sarah drauf, niemals wurde ihr etwas geschenkt – keine Beachtung, kein liebes Wort, kein Geld und vor allem: keine Liebe.

Nun sitzt sarah einsam und alleine abends vor’m PC oder mit ihrem Handy irgendwo auf einer vermutlich bundesdeutschen Couch und liest Online-Kleinanzeigen. OK, passiert mir ja auch manchmal, aber sarah ist schlauer. Anstatt einfach nur ziellos durch die Rubriken und Anzeigen zu surfen, legt sich sarah siegessicher auf die Lauer: Alle fünf Minuten aktualisiert sie die „zu verschenken“-Seite, um kein Unbill zu verpassen.

Denn sarah kennt sie alle, die miesen Tricks der Schurken, Halunken, Betrüger, Tagediebe, Tunichtgute, Leichenfledderer und eben Schmarotzer, die immer nur nehmen, nehmen, nehmen. Die sich am Hab und Gut hilf- und ahnungsloser Bürger vergehen und sich auf die mühsam vom Munde abgesparten Konsumgüter der (arbeitenden oder arbeitsuchenden) Gesellschaft stürzen wie die Aasgeier. Ohne jede Gegenleistung. Ohne Skrupel. Ohne Moral.

Aber nicht mit sarah! sarah zieht klare Kante! sarah räumt auf! sarah zeigt es allen, die sich an den Leistungsträgern dieser Nation versündigen, indem sie dreist und skrupellos etwas erbetteln, was ihnen nicht zusteht. sarah sagt den Schmarotzern dieser Welt Bescheid. Grade heraus und unerschrocken. Ehrlich und anonym … ups … jedenfalls unerschrocken und ehrlich!

Ich bin tief beeindruckt.

„sarah! sarah! sarah!“, rufe ich hinaus in die Welt.

@sarah: Du ist ganz toll. Ich schicke dir so viel Liebe, wie du nur essen kannst und all meine Freunde tun es mir gleich. Du kannst jetzt also etwas Sinnvolles mit deiner Zeit anfangen. Geh’ doch abends mal baden – oder iss’ ein Eis.

Vielleicht schaust du auch noch mal in deine Schränke. Vielleicht hast du doch noch einen alten, verbeulten Wok, den du mir kostenlos zur Verfügung stellen möchtest. Ich hol’ ihn gerne persönlich ab, dann kannst du auch ganz persönlich danke sagen, für die ganze Aufmerksamkeit, die dir heute hier zuteil geworden ist. Du kannst stolz auf dich sein, denn wer hat schon die Gabe, mit nur einem einzigen Wort einen ganzen Blogeintrag heraufzubeschwören … 😉

Heil sarah!

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