091// Affenscheiße

Ohne meine Krankheiten hätte ich bestimmte Dinge nie gelernt. Das ist mal klar. Deshalb übe ich, mich über das Lernen an sich und die Lernerfolge zu freuen. Zurzeit lerne ich wichtige Lektionen wie „menschliche Enttäuschungen und existentielle Sorgen aushalten“ und „mich nicht mehr ungerecht behandeln und manipulieren lassen“. Das ist eine spannende Zeit. Jeden Tag was Neues!

„Feier den Scheiß!“ – Das sollte meine Devise sein! Kein Problem! Es ist ja genug da.

Streckenweise habe ich das Gefühl, als säße ich in einem Wald und plötzlich fangen irgendwelche Affen an, mich mit (ihrer eigenen) Scheiße zu bewerfen. Nicht, weil ich ihnen was getan hätte, einfach, weil ich ruhig dasitze und sie mit ihrer Scheiße lieber werfen, als sie ordnungsgemäß in ihrer eigenen Keramik zu versenken.

“Warum ich?”, frage ich mich.

Weil ein ruhendes Ziel immer ein lohnendes ist?

Einen der Affen erwische ich direkt nach dem Wurf und ich rufe ihm entgegen: „Was soll das, Affe?! Du hast die Falsche! Du hast mich verletzt! Es macht mich traurig, wenn Du mit Scheiße nach mir wirfst! Warum machst Du das?“
Der Affe tut empört: „Hab‘ ich nie gemacht!“ und „Als Du noch nicht da warst, war alles gut!“ und „Vielleicht ist das so, weil Du ein Einzelkind bist!“

Oh. Aha. Darüber hab‘ ich mich auch schon so manches Mal geärgert. Aber was kann ich dafür, dass ich ein Einzelkind bin? Und was könnte ich daran ändern?

Nichts.

Das hat der Affe wohl auch eingesehen und entschuldigt sich. Nicht bei mir. Bei meinem Mann.

Affenlogik.

Ein anderer Affe schmeißt seine Scheiße lieber aus dem Hinterhalt, hüllt sich in ein Mäntelchen aus Wut, Gram und Schweigen und popelt sich wütend im eigenen verschmierten Ärschchen rum, um neue Scheiße zu finden, die er werfen kann, um mich zu treffen. Dabei wird er immer wütender. Verständlich. „Im eigenen Ärschchen Rumpopeln“ tut sicher weh.

Warum das alles?

Keine Ahnung. Hab’ nicht gefragt. Is‘ mir alles zu affig.

Außerdem kommt da schon der nächste Affe und wirft nicht nur die eigene sondern auch die Scheiße, die man zuvor auf ihn geworfen hatte zu mir rüber.
Ein paar andere haben ihre Scheiße noch nie anders entsorgt oder sind von (Affen-)Amts wegen dazu verpflichtet, so vorzugehen. Reiner Zufall, dass ich immer mal wieder was von dem braunen Stinkezeug abkriege – das darf ich nicht persönlich nehmen.

Und so sitze ich nun einige Zeit da.
Von oben bis unten mit Scheiße beschmiert.
Beim Blick in den Spiegel sehe ich, was die Affen aus mir gemacht haben: Einen riesen Haufen Scheiße. – Das, was ich früher selbst von mir dachte, dass ich es sei.

Und dann wird mir plötzlich klar:
Das bin ich gar nicht.
Das bin NICHT ICH!

Die Scheiße, die ich sehe, war immer schon die der anderen, die sich über mein ich gelegt hatte und die ich ohne mich zu wehren mit mir rumgeschleppt habe.
Die Scheiße der Verlogenen, Kleingeistigen, Feigen und tief persönlich Gestörten, die mit ihrem eigenen Leben schwer aneinandergeraten sind; die kein ICD-Schlüssel erfasst hat, weil sie sich niemals als die wirklich Kranken in Behandlung begeben würden. Die meinen, das sei nur was für Opfer-Typen. Für Schwächlinge und Mängelexemplare. Für Einzelkinder.
Wie mich.

Aber ich habe etwas gelernt: Ich kann die Scheiße der anderen einfach abwaschen. Kann mich davon befreien und säubern. Die letzten Duftmarken neutralisiere ich einfach mit Natron und Kokosöl.

Und dann?

Dann kümmere ich mich nur noch um meine eigene Scheiße! 🙂

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  1. Ich liebe diesen Text <3 . So unkonkret und doch so treffend. Ich glaube, es ist ein ganz wichtiger Lernprozess, die eigene Scheiße von die der anderen zu unterscheiden. Egal ob chronisch krank oder nicht. Nur dann wiegt sie vielleicht direkt schwerer, weil man ja sonst schon viel rumschleppt (die eigene Scheiße). Erkenntnis des Tages: Du BIST NICHT scheiße 😉 !

    • 🙂 Danke, tut gut, das auch nochmal von außen zu hören (Lernerfolg hin oder her 😉 ).
      Ich war mir nicht sicher, ob man, wenn man die „Affen“ nicht persönlich kennt, überhaupt einen Zugang zum Text finden kann. Freut mich, dass es wohl doch funktioniert hat 🙂
      Liebe Grüße!
      myyzilla

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