Nachdem ich bereits über das Schlaganfall-Risiko von Migräne-Patienten nach Operationen berichtet habe, und darüber, was Ärzte in diesem Zusammenhang beachten sollten, habe ich mich nun gefragt, ob und was wir Betroffene selber tun können, um das Risiko weiter zu minimieren.

Eine gute Nachricht vorweg: Es gibt etwas, was wir tun können.
Die Schlechte: 100%ige Sicherheit gibt‘s trotzdem nicht.

Die Marschrichtung könnte aber lauten: Ich versuche, die Ärzte dabei zu unterstützen, mich heile durch die Narkose zu bringen. Oder auch: Je besser das OP-Material (mein Körper) in Form und vorbereitet ist, desto besser stehen die Chancen, dass ich komplikationslos und ohne fiese Nebenwirkungen davon komme.

Besonders VOR und NACH der eigentlichen OP können und sollten wir Migräne-Patienten ein paar Dinge beachten.

WICHTIG!!!
Das heißt im Umkehrschluss natürlich nicht, dass wir Schuld sind, wenn etwas nicht so optimal läuft, es bedeutet nur, dass alle Beteiligten etwas zum Gelingen beitragen können!

VOR der OP/Narkose:

Worauf sollte ich als Migräne-Patient VOR einer OP in Vollnarkose achten?

  • Frühzeitig Kontakt mit dem Narkosearzt aufnehmen und auf die Migräne (besonders bei komplizierten Formen und Migräne mit Aura) hinweisen. Vernünftige Ärzte sind dankbar für Infos über seltene Migräne-Formen, denn ein Anästhesist kann nicht alle Krankheiten kennen! Bewährt hat sich bei mir ein einfaches Blatt Papier als Ergänzung zum Narkose-Aufklärungsbogen, auf dem ich kurz (!) über die Basilarismigräne und die aktuellen Erkenntnisse zum Schlaganfallrisiko bei Migräne mit Aura nach OPs nebst Quellenangabe informiere. Bei Basilarismigräne könnt Ihr gerne auch das von mir erstellte Info-Blatt (Basilarismigraene_Info.PDF) mitnehmen und an den Arzt weitergeben.
  • Alle Medikamente – auch pflanzliche! – (z.B. Johanniskraut) und Nahrungsergänzungsmittel (z.B. Magnesium) im Informationsbogen und im Gespräch mit dem Arzt angeben. By the way: Homöopathische Globuli sind KEIN Medikament, enthalten keine Wirkstoffe und haben somit auch keine Auswirkungen auf die Narkosemittel. Das bedeutet: Wer möchte, kann sich reichlich davon im erlaubten Zeitrahmen vor der OP reinkippen – physisch passiert da nichts, außer, dass der Blutzuckerspiegel steigt. Für andere (psychische) Effekte ist der Anästhesist der falsche Ansprechpartner – das muss den fachlich auch nicht weiter interessieren. 😉
  • Natürlich immer, aber besonders auch in den Tagen vor der OP, auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Damit wird das Risiko von Thrombenbildung („klumpiges Blut“) minimiert.
  • Ggf. schon über Tage vorher versuchen, den Blutzuckerspiegel nicht nach unten und oben „auszureizen“, sondern auf einem vernünftigen, eher niedrigen Level zu halten, dann haut die Nahrungskarenz, also die Zeit, in der wir vorher nichts essen dürfen, nicht so ins Kontor.
  • Besonders auf Migräne-Trigger achten und konsequent vermeiden. Bei histaminempfindlichen Migräne-Menschen kann es sehr sinnvoll sein, schon in den Tagen vor der OP sehr histaminreduziert zu essen. Der Stress einer OP lässt den Histaminpegel im Körper sowieso schon ziemlich ansteigen.
  • Generell ist es sinnvoll, dem Körper nicht kurz vor einer OP noch wer weiß was abzuverlangen. Wenn Montag oder Dienstag eine OP stattfinden soll, muss ich am Wochenende nicht noch meine Grenzen testen, was Rauchen, Schlafmangel und Alkohol angeht. Das stresst das Migränehirn sowieso übermäßig und den Rest vom Körper zusätzlich. Vermutlich ist auch ein Marathonlauf einen Tag vor der OP nicht so optimal, aber das ist nur eine Vermutung und die allerwenigsten von uns kommen in diese Verlegenheit … 😉 – Generell ist viel Bewegung grade im Vorfeld einer OP natürlich gut! Allein schon, um einen stabilen Kreislauf im Gepäck zu haben.
  • Bei mir persönlich hat sich über die Jahre und mehrere OPs herauskristallisiert, dass ich besser fahre, wenn ich ca. 2 Std. vor der OP noch 2 -3 Stück Würfelzucker in ganz wenig klarem Wasser gelöst zu mir nehmen kann. Das darf aber niemals eigenmächtig gemacht werden und muss vorher unbedingt mit dem Narkosearzt abgesprochen sein!
  • Auch die Gabe von etwas Prednisolon (auch zusätzlich zu einer evtl. Dauermedikation) hat bei mir schon gute Dienste in Bezug auf narkosebedingte Histaminreaktionen (und Übelkeit) geleistet. Auch hier gilt: Unbedingt mit dem Narkosearzt absprechen und nicht einfach irgendwas nehmen!

NACH der OP/Narkose:

Was kann ich selbst NACH der OP in Vollnarkose machen, damit das Migräne-Risiko und auch das Risiko für migränebedingte Komplikationen minimiert wird?

  • In den Tagen nach der OP sollten alle Patienten, aber ganz besonders Migräne-Patienten auf eine ausreichende Trinkmenge achten. (Ausreichend = mindestens 2 Flaschen Krankenhaus-Wasser – das sind 1,5 Liter).
  • Um das Thrombose- (und damit Embolie-)Risiko zu senken: Die „chicen“ Krankenhaus-Kompressionsstrümpfe konsequent tragen, solange die Mobilität eingeschränkt ist.
  • Ggf. ein paar Venenübungen (geht auch im Liegen) machen. Die Asklepios-Kliniken haben dazu ein schönes Video gemacht: https://www.youtube.com/watch?v=SoXDpB5b0nc
  • Verordnete Medikamente gewissenhaft einnehmen.
  • Nach einer OP besonders auf vitaminreiche, ausgewogene Ernährung achten, das hilft dem Körper dabei, die Narkose schneller wegzustecken.
  • Bei Beschwerden (vor allem Schwindel, Wahrnehmungsstörungen, Kopfschmerzen, Lähmungen) immer sofort mit dem Pflegepersonal oder Ärzten darüber sprechen. Lieber einmal zu viel „nerven“ als zu wenig. Bei Schlaganfällen zählt im Grunde jede Minute, um dauerhafte Schäden oder Schlimmeres zu verhindern. Erfahrungsgemäß freuen sich alle mit uns, wenn es „nur“ die Migräne war und niemand motzt über „falschen Alarm“.

Bitte beachten: Ich bin (immernoch ;-)) kein Arzt. Meine Tipps beruhen auf persönlicher Erfahrung und angelesenen Fakten.

Wer zu diesem Thema andere Infos / Meinungen hat, kann dies gerne für alle in die Kommentare schreiben (bitte ggf. mit Quellenangaben).

Auch ganz wichtig: Jeder Mensch und jede OP ist individuell zu betrachten. Sprecht immer und so ausgiebig wie möglich mit euren Ärzten. Mir fällt das auch immer schwer, und ich sammle nicht nur positive Erfahrungen (wie Blog-Leser wissen), aber letztlich geht es um unsere körperliche Unversehrtheit, das sollte uns wichtiger sein, als die Ängste, Scham oder andere Bedenken, die wir haben.

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