Die Diagnose Lipödem trifft mich in der Praxis des Gefäßspezialisten nicht ganz unvorbereitet. Internet-Recherchen sind nicht immer böse. Wenn man die Quellen sehr genau prüft, sein eigenes Hirn eingeschaltet lässt und sich nicht blind auf alles verlässt, was geschrieben steht, kann es eine große Hilfe sein. So wurde mein Verdacht, dass es sich bei meinen deformierten Beinen und wahrscheinlich auch bei den Beschwerden an den Armen nicht um angefressenes Fett handelt, vom Phlebologen bestätigt.

Auch die Venen-Operation als letzte Hoffnung auf Besserung brachte keine Entwarnung. „Therapiert“ wird heutzutage mit lebenslanger Kompression in Strumpfform und apparativer Lymphdrainage – für die wirkungsvollere, manuelle Lymphdrainage gibt es bei den meisten Ärzten keine Rezepte mehr.

Einzige dauerhaft helfende Möglichkeit ist die Liposuktion – das Absaugen der entarteten Fettzellen. Kosten für Arme und Beine: Um die 15.000 Euro. Hab‘ ich natürlich nicht. Krankenkasse? Ha, ha – Die zahlen lieber lebenslang Kompressionsstrümpfe, apparative Lymphdrainage und die Kosten für Folgeerkrankungen wie vorzeitigen Gelenkverschleiß, Hautschäden, Lymph-Erkrankungen und psychische Probleme. Ach, ja, für garantiert wirkstofffreie Zuckerkügelchen (Homöopathie) muss ja auch noch Geld übrig bleiben.

ZUM KOTZEN IST DAS!

Presspellen und Gummihandschuh

Nach anfänglichen Schwierigkeiten und allergischen Reaktionen auf das Material der halterlosen Gummistrümpfe, zwänge ich mich fortan jeden Tag mit Hilfe von Gummihandschuhen in meine mit einem Bauchgurt zu verschließenden, hautfarbenden Presspellen. Das heißt, wenn ich es alleine schaffe. Wöchentlich werden die Schmerzen in meinem Körper mehr. Rücken, Arme, Beine, Hüfte, Hände … alles schreit um Hilfe.

Dazu kommt ein sich ständig aufblähender, druckempfindlicher Bauch nach der Zwerchfell-OP, was mir oft bis zu 12 Zentimeter mehr Bauchumfang im Laufe eines Tages beschert.

Dehnbund und Klettschuh sind meine besten Freunde.

Krankengymnastik wird aufgrund der Budgetierung vom Hausarzt nun auch nicht mehr verschrieben. Facharzttermine in erreichbaren Praxen gibt es mit Wartezeiten von drei Monaten für bereits dort behandelte Patienten bis sieben Monaten für neue Patienten (wenn diese überhaupt angenommen werden).

Die Neurologin, bei der ich nach Bitten und Betteln als „Neuer“ schon nach vier Monaten einen Termin bekommen habe, möchte mich sofort in die Schmerzklinik nach Kiel schicken. Immerhin gibt es eine Perspektive, nachdem mich zwei ihrer Kollegen komplett abgelehnt haben und einer sich mit meinem Krankheitsbild überfordert sah, muss ich zufrieden sein.

Um das 30-seitige Aufnahme-Formular der Klinik auszufüllen, brauche ich zwei Wochen. Früher wär‘ ich in ’ner Stunde fertig gewesen damit. Ich warte auf den Aufnahme-Termin …

Insgesamt fünf Monate soll ich warten. Beeindruckend, zumal ich als dringlich eingestuft bin. Wie vielen Menschen geht es dann wohl genau so scheiße wie mir? Jeder einzelne tut mir leid. Ich mir auch.

In den kommenden Wochen habe ich viele Termine für den Lymphomat: Zwei um die Beine liegende Schläuche blasen sich rhythmisch auf und sollen so die Schwellungen in Schach halten. Wenn’s hilft …

Es tut jedenfalls ganz gut und manchmal schaffe ich es sogar, mal keinen Termin wegen der Migräne abzusagen.


Lipödem
Den aktuellen Stand und gute Sachinformationen über die Erkrankung Lipödem gibt es auf der Seite der Lipödem-Hilfe e.V. unter http://www.lipoedem-hilfe-ev.de

Homöopathie
Eine gute Adresse für Informationen zum Thema Homöopathie, auf das ich sicher später noch mal zurückkommen werde gibt es hier: http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/

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