Wenn du nicht mehr vernünftig sprechen, sehen und laufen kannst und Höllenschmerzen im (Hinter-)Kopf hast, klingeln bei allen mindestens durchschnittlich ausgebildeten Ärzten die Alarmglocken: Verdacht auf Schlaganfall.

Mit diesen Symptomen schleppe ich mich wie ein angeschossener Robocop stammelnd und maximal panisch in die Praxis meines Hausarztes. Keine zehn Minuten später liege ich auf der Pritsche im Rettungswagen. Ziel: Neurologie. Meine chronologisch korrekte Erinnerung setzt wieder ein als ein netter, sehr souverän wirkender Doktor ohne Haupthaar die Koordination meiner Arme und Beine checkt.

„Nicht 100%ig, aber schon besser.“, sagt er.
Ich spüre meine Oberlippe und obere Wangenpartie nicht richtig und kann deshalb nur nuscheln: „Waschisch mimi?“, frage ich.
Er tätschelt mein Knie: „Ich tippe auf Basilarismigräne, aber wir gehen auf Nummer Sicher.“
Nummer Sicher heißt: Intensivstation – Stroke Unit. Vollverkabelung, Heparintropf. Ich stehe bzw. liege irgendwie neben mir.

In dieser Nacht schlafe ich nicht. Die Stroke Unit befindet sich unterm Dach des alten Klinik-Gemäuers. Draußen stürmt und gewittert es.

Durch die drei quadratischen Fenster hab‘ ich ’nen tollen Panoramablick in die von Blitz und Donner verquirlten Wolken. Überall pfeift der Wind durch’s Gebälk. Die Schiebetür zum Nachbarzimmer schlägt in den Führungsschienen hin und her. Ich stelle mir vor, ich wäre auf der Pequod, dem Schiff, auf dem Kapitän Ahab hinter Moby Dick, dem weißen Wal, herjagd. In Herman Melvilles Roman geht das Schiff unter … alle saufen ab … bis auf einen: Ismael. Der will ich sein.

Nach EEG, Blutuntersuchung, Herzlabor und Langzeit EKG und ein paar Tagen auf der Neurologie nimmt jemand das Damokles Schwert über mir weg.
Die Diagnose steht nun fest: Basilarismigräne. Therapie: Wahrscheinlich nicht möglich, aber man solle es mal mit einer Prophylaxe probieren. Propranolol – ein Betablocker. Und dringend zum Facharzt zur Weiterbehandlung. Ok.

„Was mache ich, wenn das wieder losgeht?“, frage ich den netten Oberarzt noch.
„Hinlegen und abwarten.“, sagt er aufmunternd lächelnd bevor er mit wehendem Kittel und seiner kleinen Entourage aus Schwestern und den zwei netten Assistenzärztinnen das Zimmer verlässt.

Zu Hause beginne ich zu recherchieren.

Stelle fest, es gibt sehr wenig Handfestes. Fasse den Entschluss, selbst zu sammeln und irgendwann zu veröffentlichen …

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