Ich tue es ungern, aber ich gehe wieder zum Arzt wegen meiner immer schlimmer werdenden Kopf- und Nackenschmerzen.

Ohne ein Kommentar oder weitere Fragen, greift der nette Doktor zum Blutdruckmessgerät. „Ich habe Angst vor’m Blutdruckmessen“, sage ich wieder.
„Ach, was!“, lacht er, grapscht nach meinem Arm und legt los. Ich halte die Luft an. Verfalle wieder in die Kaninchenstarre. Es tut weh. Danach hab’ ich ‘nen blauen Fleck am Oberarm. Ich spüre mein Herz bis unter die Schädeldecke. Ich will hier nur noch raus.

„Ja, viel zu hoch!“, frohlockt er. Den passenden Gesichtsausdruck zur Ergebnisverkündung haben diese netten Ärzte offenbar alle aus dem gleichen Lehrbuch. Immerhin gibt es nach 30 Sekunden „Gespräch“ eine Diagnose: Bluthochdruck.
„Ich habe wirklich Panik“, kann ich noch rausquetschen.
Kein Kommentar. Der Arzt hämmert in die Tasten seines PCs wie Jerry Lewis in „The Typewriter“.

Nach weiteren 30 Sekunden habe ich ein Rezept für Blutdruckmedikamente (Amlodipin und Ramipril) in der Hand und der Doc seine Gebühr für eine „Gesprächsleistung bei einer lebensverändernden Erkrankung“ nach GOÄ im Sack. Das lese ich später in den Abrechnungsunterlagen der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung, die ich mir seit einiger Zeit jedes Jahr in Kopie zuschicken lasse.

Meine Nackenschmerzen – kein Thema mehr. Aber das liegt ja auch an mir. Ich verstumme schnell und gründlich, wenn ich Angst habe.

Nach ein paar Wochen habe ich dermaßen geschwollene Füße, dass sich aufgrund des reibenden Schuhwerks die Fußnägel der kleinen Zehen ablösen. Mein Blutdruck hat sich auf muntere 90 zu 54 eingependelt. Kopf- und Rückenschmerzen unverändert mit Tendenz zu schlimmer. Dazu Schwindel, Übelkeit, Ohrensausen.

Ich gehe wieder zum Arzt. Seine Lösung (nachdem er noch mal den Blutdruck gemessen hat, der natürlich wieder zu hoch ist): Mehr von den Tabletten und abnehmen. Gegen die Kopf- und Rückenschmerzen: Spazierengehen und abnehmen. Dauer des Gesprächs: 3 Minuten.

Abrechnung wie letztes Mal.

Alles klar.

Mehr von diesen Tabletten nehme ich nicht – so viel bin ich mir noch wert. Spazieren gehe ich sowieso jeden Tag. Zum Thema Abnehmen später mehr …

Ich warte bis der nette Arzt Urlaub hat.  Gehe zu seiner Vertretung, um noch mal eine andere Meinung zu hören und vielleicht doch noch Hilfe bzgl. der Kopf- und Rückenschmerzen zu bekommen, ohne, dass der nette Arzt böse auf mich ist, weil ich seine Anordnungen nicht korrekt befolge.

Das mit den Ödemen in den Füßen sei doch kein Problem, sagt die nette Vertretung: Statt Amlodipin nehmen wir ein Entwässerungsmedikament. OK.
Der Effekt: Noch mehr Schwindel und noch mehr Kopf-und Rückenschmerzen. Dazu: Muskelkrämpfe.

Nach ein paar Tagen nehme ich nur noch das Ramipril (Compliance ist ja mein zweiter Vorname). Zu den Kopf- und Nackenschmerzen gesellt sich nun ein lästiger Reizhusten… 😀

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